Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft

Bitte beachten Sie unsere Urheberrechte! Verwendung für private Zwecke sind erlaubt, jegwede Veröffentlichung bedarf der Genehmigung.

Seitenbild mit einer Zeitung

ESA e.V. in der Presse (Aktualisierung eingestellt!)


  1. Tod durch Faktor Mensch, Ruhr-Nachrichten, 14.November 2007
  2. Pflegestellen für Eichhörnchen, WDR-Fernsehen, 04.November 2007
  3. Ex-Lehrer baut Eichhörnchenschule, Ein Herz für Tiere, 01.November 2007
  4. Sponsorenpläne und ein neuer Gast für die Eichhörnchenfreunde, Eckernförder Zeitung, 02.Oktober 2007
  5. Ein Herz für Eichhörnchen, Presse-Anzeiger, 26.September 2007
  6. Wissenswert: Wie finden Eichhörnchen ihre versteckten Vorräte wieder?, Ad-Hoc-News, 21.September 2007
  7. Eichhörnchen futtern ein Jahr lang Nüsse vom Flohmarkt für gute Zwecke, Eckernförder Zeitung, 29. August 2007
  8. Bedrohlicher Vetter, Neues Deutschland, 19.Juli 2007
  9. Sie sind halt doch nicht Knut, Stuttgarter Zeitung, 14.Juni 2007
  10. Die Schule der verlassenen Eichhörnchen, Münchener Tageszeitung, 4. Juni 2007
  11. Das Waisenhaus für Eichhörnchen-Babys, Eckernförder Zeitung, 20. Mai 2007
  12. Hallo, hier ist der Eichhörnchen-Notdienst, Hamburger Abendblatt, 14. Mai 2007
  13. Genug Platz für Eichhörnchen, Kieler Nachrichten, 03. Mai 2007
  14. Auf dem Sprung in die Freiheit, Eckernförder Zeitung, 30. April 2007
  15. Futter und Liebe für junge Eichhörnchen, Eckernförder Zeitung, 30. März 2007
  16. Fit für die Freiheit!, Bild der Frau, 19. März 2007
  17. Erste Hilfe für Eichhörnchen-Kinder, TREFF - Das Wissensmagazin für Schüler, März 2007
  18. Eichhörnchen gehören in den Wald, Tier-ABC, Februar 2007
  19. Eichhörnchen in Not Der Tier-Freund, Februar 2007
  20. Eichhörnchen ... liebenswerte Gesellen, Alpi, Januar 2007
  21. Eichhörnchen Zeitgenossen, Genossen auf Zeit, Tierpost Januar 2007
  22. Waisenhaus für Eichhörnchen, Neues Deutschland, 29. Januar 2007
  23. Eckernförde eröffnet Auffang- und Auswilderungsstation, Hamburger Abendblatt, 03. Dezember 2006
  24. Schutzraum für Wappentier, Eckernförder Zeitung, 01. Dezember 2006
  25. Größte Auffangstation für Findel-Eichhörnchen in Betrieb genommen, Kieler Nachrichten, 01. Dezember 2006
  26. Ein Herz für Eichhörnchen - Große Auffangstation am Noor in Bau, Kieler Nachrichten, 13. Juli 2006
  27. Ich bin kein Eichhörnchenmörder, Pinneberger Tageblatt, 24. März 2006
  28. Im Eschenweg fallen die Eichen, Pinneberger Tageblatt, 20. März 2006
  29. Wärmestube für Eichhörnchen, Hamburger Abendblatt, 18. März 2006
  30. Grauer Nager vertreibt rotes Eichhörnchen, Kölnische Rundschau, 08. März 2006
  31. "Dann sterben die Eichhörnchen", Landeszeitung, 14. Januar 2006
  32. Eichhörnchen - Zukunft hinter Gittern?, Dogs4life - Das Tierschutzforum, Januar 2006
  33. Eichkatzl im Hormonrausch, Münchner Merkur, 16.Juni 2005
  34. Immer auf dem Sprung, HÖRZU, 10. Juni 2005
  35. Ein Herz fürs Wappentier, Kieler Nachrichten, 26. April 2005
  36. Klettern auf den Ersatzeltern, Lübecker Nachrichten, 23. April 2005
  37. Ein Herz für Eichhörnchen: Waisen-Babys brauchen Hilfe, Lübecker Nachrichten, 31.07.2004
  38. Kieler gründeten "Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft": Aufzucht und Kampf gegen illegalen Handel, Kieler Nachrichten, Mai 2004
14.November 2007

 

 

Tod durch Faktor Mensch (Ruhr-Nachrichten)


Von Jörg Bauerfeld


DORTMUND-SÜD Ein kleiner Schatten, ein felliges Etwas im Augenwinkel - dann ein kurzer Schlag. Ein Erlebnis, dass viele Autofahrer schon einmal am eigenen Leib, pardon am eigenen Auto gespürt haben. Eichhörnchen sind zu dieser Jahreszeit wieder emsig auf Futtersuche.


Sie Sammeln Nüsse und Samen, um sie später sorgfältig zu verstecken und zu vergraben. Dabei kommen sich Tier und Mensch immer öfter ins Gehege. Vor allem die viel befahrenen Straßen (Wittbräucker Straße, Hagener Straße oder Kirchhörder Straße) im Dortmunder Süden werden dabei zu regelrechten Todesafallen für die flinken Nager, die bei einer unsanften Begegnung mit einem Auto nicht den Hauch einer Chance haben. 200 bis 400 Gramm Eichhörnchen gegen 1300 Kilo Blech - ein ungleicher Kampf.


Gerade in der Herbstzeit sind die auch als Eichkater bekannten Tiere dabei, ihre Vorratslager für den Winter zu füllen. "Dabei werden oftmals die Straßen ein unüberwindbares Hindernis bei der Futtersuche oder auch auf der Flucht", erklärt Naturschützerin Silvia Granold, das Problem.


Die Tiere finden oftmals in den Wäldern nicht mehr das große Nahrungsangebot, weichen in bewohnte Gebiete aus. Hier bieten die Gärten mit ihrem Baumbestand und Beerensträuchern beste Voraussetzung, um sich den Bauch voll zu schlagen. Nur: Um genügend Nahrung zu sammeln, müssen die flinken Kletterkünstler weite Wege auf sich nehmen - eine Straße stellt dabei für sie keine erkennbare Gefahrenquelle dar.


Ca. 550 Eichhörnchen (nach Schätzungen der Tierschützer) sind so schon seit Anfang September auf den Straßen im Dortmunder Süden den Unfalltod gestorben. "Gerade in den frühen Morgenstunden und in den frühen Abendstunden sind die Tiere auf Nahrungssuche", sagt Silvia Granold. Deshalb sollten Autofahrer gerade zu diesen Zeiten noch ein wenig aufmerksamer als sonst durch Gebiete mit viel Baumbestand und großen Gärten fahren - um den kleinen Nagern ein Chance zu geben, die andere Straßenseite bei ihrer Suche nach Nahrung auch unbeschadet zu erreichen.


Eichhörnchen gelten in Deutschland als besonders geschützte Tierart. Sie können bis zu 12 Jahre alt werden.


Wer verletzte Eichhörnchen oder Findelkinder findet und Fragen zur weiteren Pflege hat, kann sich an das Eichhörnchen Notfalltelefon der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft (ESA) wenden. Kontakt: Tel. 0700 46 37 62 436.

04. November 2007

 

 

Pflegestellen für Eichhörnchen (WDR-Fernsehen)


Von Heidi Sonderhoff


Nach Unwetter und Stürmen finden Spaziergänger immer wieder Eichhörnchenbabys, die aus ihrem Nest gefallen sind. Die verletzten oder bald unterkühlten Tiere werden von ihrer Mutter in der Regel nicht mehr eingesammelt. Solche Tiere hätten keine Überlebenschancen mehr, wenn sie nicht sofort versorgt würden. Um solche Findelkinder kümmern sich ehrenamtliche Tierschützer der "Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft" (ESA). Eichhörnchenpflegestellen des Vereins gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Servicezeit: Tiere suchen ein Zuhause hat eine Pflegestelle in Bonn besucht.


Eine Eichhörnchenpflegestelle in Bonn

Ein fünf Wochen junger Neuzugang wird gerade von der ehrenamtlichen Tierschützerin Monika C. gefüttert. Der Findling ist aus dem Nest gefallen und hat Glück gehabt, dass er in ihr eine erfahrene Ersatzmutter gefunden hat. Monika ist seit einem Jahr Mitglied in der ESA und weiß, was ihr Findelkind braucht. Ihr Zögling "Mini" findet schnell Geschmack an der Ersatzmilch, einem Gemisch aus Katzenaufzuchtsmilch, Babyheilnahrung, Joghurt, Vitamintropfen und Mineralpulver. Aus Erfahrung weiß Monika, dass diese Mischung ihren kleinen Hörnchen gut schmeckt. Manchmal muss sie aber viel Geduld aufbringen, bis ihre unterkühlten Neuzugänge die Ersatznahrung annehmen. Zum Aufwärmen kommen die Eichhörnchen entweder für eine Weile in Monikas Hemdtasche oder sie werden zwischen ihren Handmulden aufgewärmt.

In der Natur würde die Eichhörnchenmutter nach dem Trinken den Bauch ihres Jungen lecken, damit es urinieren kann und seine Verdauung in Gang kommt. Stattdessen streicht Monika mit einem weichen, feuchten Tuch in Richtung After über das Geschlechtsteil. Die Kleine entspannt sich und uriniert. Danach bekommt das kleine Weibchen behutsam ihre Bauchmassage, um ihre Verdauung in Gang zu bringen. Sonst kann sie an einer Verdauungsstörung sterben. In den ersten sechs Wochen brauchen junge Hörnchen für ihre Entwicklung nur Fressen, Kuscheln und Schlaf. Monika bringt Hörnchen Mini deshalb wieder zurück zu den anderen in den Käfig, in die Schlafhöhle aus Jute. Die hat zwei Ausgänge und kommt bei den Hörnchenbabys gut an. Außerdem ist der Käfig regelmäßig mit frischem Rindenmulch bestreut und mit Ästen von Kiefern und Obstbäumen bestückt.


Eichhörnchen brauchen Bewegung

Die jungen Eichhörnchen nutzen währenddessen das Wohnzimmer als Spielplatz. Von der siebten Lebenswoche an sind sie neugierig und brauchen immer mehr Bewegung. Mehrmals am Tag steht Auslauf auf dem Programm, und dann geht es über Tische und Schränke. Sofas werden als Sprungschanzen benutzt - Blumentöpfe und Fensterbänke werden untersucht. Nichts ist vor den kleinen "Kobolden" sicher. Feste Nahrung in Form von Nüssen und Früchten ist jetzt besonders wichtig für ihre Entwicklung.


Auswilderungsgehege im Garten

Im Garten bringt Monika ihren älteren Pflegefällen Futter. In einem artgerechten Außengehege haben sich die inzwischen drei Monate alten Hörnchen an die Außentemperaturen und die Geräuschkulisse gewöhnt. Sie sind reif für die Freiheit. Vier Hörnchen sollen heute freigelassen werden. Darunter ist Penelope, ein Weibchen, das auf einem Auge nicht mehr viel sieht. Vier Wochen im Außengehege zeigen die gewünschte Wirkung. Die Eichhörnchen sind wieder scheu und von Menschen entwöhnt. Nach einer halben Stunde wagt sich nur einer der vier Kandidaten raus: Eichhörnchen Sylvester. Nach weiteren Minuten huscht Sylvester in die Freiheit und klettert gekonnt die Bäume hinauf. Die anderen brauchen etwas länger, aber auch sie verlassen für immer das Außengehege und suchen sich in den umliegenden Gärten und Parks ihr eigenes Revier. Am schönsten ist es für Monika, wenn sie ihre Pflegefälle gesund und munter in die Freiheit entlassen kann.


Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft (ESA)

Regelmäßig ist Monika am Nottelefon des Tierschutzvereins. Sie gibt Tipps zur Aufzucht von aufgefundenen Eichhörnchen oder klärt Tierliebhaber auf, die unerwartet auf ein verlassenes Jungtier stoßen. Zum Beispiel kann man Fundtiere durchaus anfassen und in den Händen wärmen. Manchmal holt die Mutter ihre aufgewärmten Jungtiere wieder zurück in das Nest. Verletzte Tiere sollten sofort zum Tierarzt gebracht werden. Am Nottelefon der ESA erfährt man auch, wo sich in der Nähe eine Pflegestelle befindet, die kleine Eichhörnchen aufnehmen. Wer die aufgefundenen Eichhörnchen selbst aufziehen möchte, findet auf der Internetseite des Vereins eine ausführliche Anleitung. Bei Fragen helfen die ehrenamtlichen Tierschützer gerne am Nottelefon weiter. Wer sich auch ehrenamtlich für Eichhörnchen einsetzen möchte, kann sich bei der ESA melden. Wildtiere wie Eichhörnchen dürfen laut Gesetz nicht gefangen bleiben, sondern müssen nach der Genesung wieder zurück in ihren natürlichen Lebensraum. Eichhörnchen bekommen je nach Temperaturen und Klimaverhältnissen in der Zeit von März/April bis September/Oktober ein- bis zweimal drei bis fünf Junge. Bei mildem Klima können die ersten Eichhörnchenbabys schon Ende Januar geboren werden, wie es der ESA beispielsweise in diesem Jahr widerfahren ist. Die letzten Jungtiere wurden im letzten Jahr noch Anfang November gefunden.

01. November 2007

 

 

Ex-Lehrer baut Eichhörnchenschule (Ein Herz für Tiere)


Früher unterrichtete Dieter Redl Latein und Deutsch an einem Münchner Gymnasium. Heute bringt er Eichhörnchen-Waisen bei, wie sie in freier Natur überleben können. Seine Schule ist ein Garten- Gehege aus Kaninchendraht, 10 Quadratmeter groß. Die Schüler sind immer Waisen: Eichhörnchen-Babys, die ein Sturm aus dem Nest fegte oder die durch eine Tragödie ihre Mutter verloren und die Spaziergänger fanden. Über die Notrufnummer der Eichhörnchen-Schutzgemeinschaft ESA (0700- 463 762 43) kommen sie dann in eine der 77 ehrenamtlichen Aufzuchtstationen des Vereins in Deutschland. Dieter Redl konnte inzwischen schon über 100 Eichhörnchen aufpäppeln. Sind die Babys noch sehr klein, brauchen sie nicht nur besondere Pflege, sondern auch alle drei Stunden die Flasche - rund um die Uhr. Dann teilt sich Familie Redl das nächtliche Aufstehen. Sind die Kleinen aus dem Gröbsten raus, ziehen sie ins Gartengehege, lernen möglichst alles kennen, was ein Eichhörnchen wissen sollte - und wenn sie 12 Wochen alt sind, öffnet ihr Retter die Gittertür und entlässt seine Schüler in das große Abenteuer des Lebens. (www.eichhoernchen-schutz.de)

02. Oktober 2007

 

 

Sponsorenpläne und ein neuer Gast für die Eichhörnchenfreunde (Eckernförder Zeitung)


Von Partick Luckenbach


"Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft" (ESA) heißt der Verein, der 90 Auffanstationen für Eichhörnchen in Deutschland betreut. Die größte Station mit zwei Gehegen steht auf dem Gelände des Umwelt-Info-Zentrums in Eckernförde. Hier trafen sich am Wochenende rund 50 Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet.


Eckernförde - Das Treffen der Eichhörnchen-Freunde stand unter der Überschrift "Unsere Arbeit bekommt Gesicht". "Die meisten unserer Vereinsmitglieder kenne ich nur vom Telefon", sagt ESA-Vorsitzender Kay Sobottka aus Kiel. "Und den Kollegen geht es genauso." Beim ersten Treffen der Mitglieder ging es unter anderem um eine bessere Koordination für die Unterbringung der Findelkinder. Pro Jahr verzeichnet die ESA einen Zuwachs von Findeleichhörnchen um 100 Prozent. "Einige Stationen können dem Andrang kaum noch Herr werden", so Sobottka. Deshalb sollen die Eichhörnchen jetzt innerhalb Deutschlands gleichmäßiger auf die Stationen verteilt werden und für "Brennpunkt"-Stationen mehr Betreuer geworben werden.


Ursprünglich hatte sich auch ein Vertreter von "Ferrero Küsschen" angemeldet, der mit der ESA die Möglichkeiten einer Sponsorenschaft erläutern wollte. Da jedoch die Sponsorengelder des Unternehmens für 2008 schon vergeben sind, musste der Besuch wieder abgesagt werden. "Das Interesse, uns zu sponsern, besteht aber weiterhin bei Ferrero", so Sobottka.


Als Ersatz für den Besuch brachte ESA-Mitglied Peter Armbrust aus Köln einen neuen Gast für das Eckernförder Gehege mit. Er hat einen jungen Nager gefunden, der nach der Geburt von der Mutter aus dem Kobel geworfen wurde. "Das Eichhörnchen hatte kaum Haare, wog 44 Gramm und war noch nicht einmal acht Zentimeter groß", beschrieb Armbrust den Winzling, den er mit Katzenaufzuchtsmilch aus einer Pipette aufgepäppelt hat. Jetzt ist "Chip" fünf Wochen alt und kräftig genug, sich auf die Auswilderung vorzubereiten. Und weil es in Köln nur eine Aufzucht - aber keine Auswilderungsstation gibt, hat er das Eichhörnchen mitgenommen.


Zusätzlich zur Auswilderungsstation gibt es in Eckernförde ein Gehege für Dauergäste - Eichhörnchen die wegen einer körperlichen Behinderung in freier Laufbahn nicht überlebensfähig sind. Derzeit sind hier acht kleine Nager untergebracht. "Wir würden das Gehege gern vergrößern", erklärt Sobottka. Allerdings fehlen dazu die Mittel.

26. September 2007

 

 

Ein Herz für Eichhörnchen (Presse-Anzeiger)


(PA) Wer kennt und mag sie nicht, die niedlichen kleinen Nagetiere mit dem buschigen Schwanz, die in unseren Gärten im ganzen Land von Baum zu Baum hopsen und im Herbst dabei gekonnt die Haselnüsse zwischen den Pfötchen balancieren? Die Rede ist natürlich von Eichhörnchen. Doch so unbeschwert das Leben der frechen Tierchen auch aussieht - auch Eichhörnchen haben Probleme. Junge Hörnchen verlieren ihre Eltern, andere verletzen sich. Dann bleibt ihnen oft nur eine Chance: der Eichhörnchen-Notdienst.


Sabine Bergner-Rust ist Mitglied in solch einem Notdienst. Seitdem die Krankenschwester im Jahr 2001 zum ersten Mal ein Hörnchen in ihrem Garten fand, das fast erfroren wäre, hat sie eine richtige Rettungsstation bei sich zu Hause aufgebaut. Zuerst päppelt sie ihre Findlinge im Haus auf, bis sie stark genug sind, um mit anderen Eichhörnchen ins Außengehege in ihrem Garten zu ziehen. Sabine Bergner-Rust achtet trotz aller Fürsorge immer genau darauf, dass sie die Hörnchen nicht zu sehr zähmt. Schließlich sollen die Nager später wieder ganz ausgewildert werden. In den letzten sechs Jahren hat Frau Bergner-Rust viel Erfahrung in der Auswilderung von Eichhörnchen sammeln können. Unterstützt wird sie dabei von der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft in Kiel. Seit einem Jahr gehört sie dem Schutzverein an und bietet eine von drei Auffangstellen für Eichhörnchen-Findelkinder im Raum Hamburg. Rund zwölf Wochen lang bleiben die Eichhörnchen dann bei ihr, bis sie wieder ausgewildert werden.


So zuletzt auch der kleine Löwenherz. Das kleine Hörnchen bekam seinen Namen, weil es trotz lebensbedrohlicher Umstände und Erschöpfungszustand stets um sein Leben kämpfte hat und nie aufgab. Bei Sabine Bergner-Rust erholte es sich schnell wieder und durfte bald mit den anderen nach draußen. Als schließlich die Zeit zum Abschied nehmen gekommen war, fiel dies auf beiden Seiten schwer. Trotz der Gewissheit, dass ein Hörnchen auf lange Sicht in der Natur glücklicher ist, fällt es Sabine Bergner-Rust nie leicht, sich von ihren Schützlingen zu trennen. Und gleichzeitig erfreut sie doch jeder Auswilderungserfolg. Löwenherz hingegen traute den großen Bäumen erst nicht so richtig, gewöhnte sich jedoch schnell an die neue Umgebung. Letztendlich sind die Abschiede auch meistens nicht für immer. Regelmäßig beobachtet Frau Bergner-Rust ehemalige Schützlinge in ihrem Garten, die sie vor langer Zeit großgezogen und wieder ausgewildert hat. Sie kommen manchmal vorbei um sich ein leckeres Frühstück abzuholen oder auch nur "Hallo" zu sagen. Diese Momente sind die schönste Belohnung, die Sabine Bergner-Rust wohl für ihre Arbeit kriegen kann.


Die Geschichte vom Eichhörnchen Löwenherz und Sabine Bergner-Rust wird am Donnerstag, dem 27. September um 14:15 Uhr in der ZDF-Serie "S.O.S. Tierbabys" erzählt.

21. September 2007

 

 

Wissenswert: Wie finden Eichhörnchen ihre versteckten Vorräte wieder? (Ad-Hoc-News)


Eckernförde (ddp). Im Herbst sind Eichhörnchen besonders aktiv. Dann machen sie praktisch den ganzen Tag nichts anderes, als Vorräte für den Winter anzulegen. Nüsse, Bucheckern, Samen und Eicheln - in Baumhöhlen und Erdlöchern konservieren die kleinen Nager so manche Leckerei. Wie aber finden die Eichhörnchen ihre Verstecke wieder? "Am liebsten nutzen sie ihre Nester in den Bäumen, die sogenannten Kobel, als Vorratskammern", sagt Stefanie Armbrust, Tierärztin in der Eichhörnchen-Auffangstation in Eckernförde. Die Tiere haben in der Regel mehrere Kobel in ihrem Revier, darunter ein Hauptnest als Schlafplatz und einen oder mehrere andere, wo die Futtervorräte gelagert werden. Weil der Platz in den Kobeln begrenzt ist, müssen die Nager darüber hinaus auf Baumhöhlen und Verstecke am Boden ausweichen. "Die können sie sich allerdings nicht alle im Einzelnen merken", betont Armbrust. Schließlich erstrecke sich das Revier der Nager über zwei bis fünf Hektar. Deshalb verbuddeln die Tiere ihre Vorräte im Herbst an prägnanten Orten, beispielsweise besonders großen Baumstämmen und Wurzeln oder auffälligen Sträuchern. Im Winter werden diese Plätze dann gezielt aufgesucht. "Mit seiner feinen Nase kann das Eichhörnchen die vergrabenen Nüsse und Eckern erschnuppern, selbst wenn sie unter einer mehrere Zentimeter dicken Schneedecke liegen", sagt Armbrust, die derzeit eine Doktorarbeit über das Verhalten von Eichhörnchen in Gefangenschaft schreibt. Dabei müssen es nicht immer die eigenen Nüsse sein, die das Eichhörnchen findet und verspeist. Doch über Benachteiligungen anderer kann es im harten Überlebenskampf nicht lange nachdenken. Maximal zwei bis drei Tage kommen Eichhörnchen nach Angaben von Armbrust ohne Nahrung aus. Außerdem kommt es ebenso häufig vor, dass die eigenen Vorratskammern durch Artgenossen erschnüffelt und geplündert werden. Von keinem Tier aufgespürte Verstecke haben indes auch ihren Nutzen. "Aus vergrabenen Samen können neue Bäume entstehen", sagt Expertin Armbrust. Das entschädigt für die jungen Pflanztriebe, die die Eichhörnchen im Frühling verspeisten. (eichhoernchen-schutz.de) ddp/hap/kge

29. August 2007

 

 

Eichhörnchen futtern ein Jahr lang Nüsse vom Flohmarkt für gute Zwecke (Eckernförder Zeitung)


700-Euro-Spende für die Eichhörnchenaufzuchtstation der ESA beim Umwelt-Info-Zentrum


Eckernförde / ape - Es ist eine Erfolgsgeschichte und ein Musterbeispiel ehrenamtlichen Engagements: Seit acht Jahren organisieren Rosi Moltzen und Silke Jürgensen den Flohmarkt für gute Zwecke auf dem Festplatz im Kakabellenweg. Und seit acht Jahren wandert die Standgebühr in Höhe von drei Euro pro laufenden Meter nicht in die eigene Tasche, sondern als Spende bei gemein-nützigen Einrichtungen. Schon mehr als 30 000 Euro konnten die beiden Eckernförderinnen sozialen Institutionen auf diese Weise zukommen lassen. Gestern kamen 700 Euro hinzu. Empfänger war diesmal die EichhörnchenAufzuchtstation der ESA (Eichhörnchen Schutz Aktions-gemeinschaft) beim Umwelt-Info-Zentrum. Sieben ein-Euro-Jobber und der Doktorandin Stefanie Armbrust kümmern sich hier um Findeleichhörnchen, die aus dem Nest gefallen, verletzt oder von den Eltern verstoßen wurden. Aus der ganzen Bundesrepublik werden die Jungtiere nach Eckernförde gebracht, um in der größten Aufzuchtstation Deutschlands wieder aufgepäppelt und ausgesetzt zu werden. In einem zweiten Gehege leben zurzeit sieben Eichhörnchen, die eine körperliche Beeinträchtigung haben und deshalb in der freien Wildbahn nicht überlebensfähig wären.


"Pro Jahr haben wir 100 Prozent Steigerungsrate", sagt ESA-Vorsitzender Kay Sobottka. Nahm die ESA 2005 noch 430 Findeleichhörnchen auf, so waren es 2006 schon 860. In diesem Jahr liegt die Zahl schon bei 1100. Als Grund für die steigenden Aufnahmen nennt Sobottka die vermehrte Präsentation in den Medien. "Demnächst will auch das ZDF eine Dokumentation drehen, und der Stern hat eine Fotoreportage angekündigt", so Sobottka. Zudem hat die Universität Hamburg signalisiert, in Eckernförde ein Forschungsprojekt über Eichhörnchen in Angriff zu nehmen. Die Eichhörnchen-Aufzuchtstation finanziert sich ausschließlich über Spenden. Mit den 700 Euro vom Flohmarkt für gute Zwecke können die Tiere ein Jahr lang mit Futter versorgt werden. "Das ist ein Hammer", zeigten sich Kay Sobottka und Stefanie Armbrust erfreut über die Zuwendung. Unterstützt wird die ESA von der Stadt Eckernförde, dem Verein Umwelt Technik Soziales (UTS) und der Arbeitsgemeinschaft der Agentur für Arbeit.


Die nächsten Flohmärkte für gute Zwecke finden am 1. und 29. September auf dem Festplatz im Kakabellenweg statt. Führungen durch die Eichhörnchen-Aufzuchtstation in Eckernförde sind möglich nach vorheriger Anmeldung bei Stefanie Armbrust unter 01520/5116500. www.eichhoernchen-schutz.de

19. Juli 2007

 

 

Bedrohlicher Vetter (Neues Deutschland)


Von Walter Schmidt


Das Rote Eichhörnchen ist in Gefahr. An italienischen Nüssen beispielsweise knabbert schon seit längerem ein starker Wettbewerber: das aus Nordamerika eingeschleppte Graue Eichhörnchen. In Großbritannien hat der deutlich größere Nager bereits viele Städte und Wälder erobert. In einigen Jahren könnte unser heimisches Eichhörnchen auch hierzulande verschwinden.Für das Rote Eichhörnchen würde der weitere Vorstoß des Grauen auf den europäischen Kontinent schlimmstenfalls das Ende bedeuten - zumindest aber ein Schattendasein. Der Cousin aus Amerika macht dem heimischen Eichhörnchen die Nahrung streitig, findet versteckte Nüsse und andere Samen im kräftezehrenden Winter viel besser und verdrängt seinen körperlich unterlegenen Vetter aus dessen Lebensraum - auch weil er sich erfolgreicher fortpflanzt. Das Graue Eichhörnchen wiegt 400 bis 700 Gramm, rund doppelt so viel wie das Rote und wird mit 25 bis 30 cm Körperlänge etwas größer.


Anders als das Rote Eichhörnchen frisst das Graue auch unreife Eicheln und ist generell weniger wählerisch beim Knabbern. Im Winter ist es zudem viel aktiver. In seiner Heimat in Übersee gilt das Tier - typisch für solche Invasoren - kaum als Waldschädling. Dort ist es vielmehr so beliebt wie hierzulande das Rote Eichhörnchen. Nicht so in England und Irland: Dort frisst der graue Klettermaxe im nahrungsarmen Frühjahr gerne die Rinde von Bergahorn und Buche, Fichte und Kiefer, was bei einem Vorkommen ab etwa fünf Exemplaren pro Hektar die Wälder schädigt. Denn durch das Abknabbern der Rinde können Baumpilze leichter für Stammfäulnis sorgen.


Auch die Baumkronen leiden unter den Folgen. In Teilen Großbritanniens gelingt es ohne massiven Kampf gegen das Graue Eichhörnchen nicht mehr, neue Laubbäume hochzubringen. Mit Lebendfallen und Gift versucht man mit hohen Kosten, die Tiere zu dezimieren. Zwar nagt auch das Rote Eichhörnchen schon mal an Rinden. "Doch das Graue ist viel größer und kann große Dichten je Hektar erreichen", sagt der italienische Biologe Dr. Piero Genovesi. Noch hat das europäische Eichhörnchen auch in Teilen Großbritanniens die Oberhand. "Aber alle Experten stimmen überein, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Rote Eichhörnchen auch dort verschwindet", fügt Genovesi hinzu. Nach Deutschland hat es das Graue Eichhörnchen noch nicht geschafft. "Das ist uns noch nicht berichtet worden. Käme es hierher, würde sich das schnell herumsprechen", sagt Frank Klingenstein vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn. Da auch manche Rote Eichhörnchen graues Fell trügen, sind Verwechslungen möglich. Aus Nordamerika wurde der Graue Nager Ende des 19. Jahrhunderts nach England eingeführt. Dort galt es schon um 1930 als Plagegeist. Heute kommen dort auf ein rotes gut 60 bis 70 graue Exemplare. Der Sprung auf den europäischen Kontinent ist dem Nager bereits gelungen. In Norditalien gibt es viele davon, nachdem sich ein italienischer Diplomat 1948 ein Paar aus den USA mitbrachte und im Park seiner Villa aussetzte. Bald könnten die Tierchen von Italien aus in die Schweiz und auch nach Deutschland einwandern.

14. Juni 2007

 

 

Sie sind halt doch nicht Knut (Stuttgarter Zeitung)


Von Andrea Jenewein


Die Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinsaft (Esa) mit Sitz in Kiel konnte in den Jahren 2005 und 2006 über 1200 Jungtiere vor dem sicheren Tod retten. In Stuttgart gibt es eine Auffangstation - doch der Bedarf an engagierten Mitarbeitern in der Region ist weitaus größer.


Die Kleinen sind gerade die ganz Großen. Knut etwa kugelte sich nicht nur munter in die Herzen eines Millionenpublikums vor seinem Gehege im Berliner Zoo oder vor dem Bildschirm, sondern er kurbelt auch kräftig die Wirtschaft an. Konkurrenz macht ihm ein Elefantenmädchen, das kürzlich im Hamburger Zoo geboren wurde und das bisher noch keinen Namen hat.


Doch was, wenn einem so ein kleines Wildtier nicht nur im Zoo begegnet, sondern direkt vor die Füße purzelt? Dies nämlich kann einem derzeit tatsächlich passieren - ist es doch die Zeit, in der Eichhörnchen ihre Jungtiere aufziehen. Stirbt ein Muttertier, bleiben die Kleinen schutzlos zurück. Die Findelkinder bedürfen sodann der Hilfe von Menschen.


Das die Kleinen so süß sind und unseren Schutzinstinkt ansprechen, ist einerseits ihr Glück, andererseits auch ihr Verderben. Auch Maxi Karpeles ist sogleich dem Eichhörnchen-Baby verfallen, das vor drei Jahren noch mit geschlossenen Augen in der Tierarztpraxis landete, in der sie arbeitet. Sie nahm es mit nach Hause. Doch trotz ihrer Ausbildung war sie alleine mit der Aufzucht des Jungtiers überfordert. Deshalb wurde sie von der Esa betreut.


"Man darf das nicht unterschätzen", sagt Karpeles, "Am Anfang muss man auch nachts alle zwei Stunden aufstehen und die Tiere füttern." Viele Menschen sind damit überfordert und können es nicht leisten. Sodann ist es besser, das Tier nicht selbst aufzuziehen, sondern es in eine Auffangstation zu bringen, wo es professionell betreut wird. So eine Auffangstation bietet Karpeles an. Sie ist inzwischen Expertin für die Aufzucht von Eichhörnchen. Im letzten Jahr betreute sie 22 Jungtiere. "Das waren aber definitiv zu viele", sagt sie rückblickend, "ich möchte nicht mehr als vier auf einmal aufnehmen." Dadurch entsteht ein Engpass in Stuttgart und der Region. "Wir brauchen dringend Leute, die sich bereit erklären, Tiere aufzuziehen", sagt Karpeles.


Leute, die sich auch bewusst sind, welche Verantwortung sie damit auf sich nehmen. Denn wie schon angesprochen, ist die Aufzucht von Eichhörnchen eine sehr aufwändige Aufgabe. Das oberste Gebot muss immer das Wohl des Tieres sein. Ein weiterer Aspekt ist, dass es keine Vergütung für die Arbeit sowie auch die Materialien für Gehege, Voliere und Versorgung gibt. "Die Tiere aufwachsen zu sehen macht aber alles wieder wett", sagt Karpeles. Momentan hat sie vier Jungtiere bei sich zu Hause: Franz, Edgar, Paul und Zora, die etwa acht Wochen alt sind. Karpeles kann die Tiere mühelos auseinander halten. In Kürze kommen die Kleinen in die Auswilderungs-voliere, die jedem Tier drei Quadratmeter bieten muss. Dort sollen sich die Hörnchen an die Außengeräusche sowie die Tages- und Nachtemperaturen gewöhnen, bevor sie dann mit zwölf Wochen in die Freiheit entlassen werden.


Denn in einen Käfig gesperrt gehören Eichhörnchen nicht. Die Haltung ist verboten, brauchen die Tiere doch viel Bewegung. "Sie zu halten ist Quälerei", sagt Karpeles, "sie werden dann apathisch, fressen nichts mehr und nehmen stereotype Verhaltensweisen an."Wer also ein Tier aufnimmt, muss sich bewusst sein, es auch wieder freilassen zu müssen. Das ist der Unterschied zu Knut, der auch noch als ausgewachsener Eisbär im Zoo leben wird. "Am Anfang kommen sie immer wieder zurück", sagt Karpeles, "sie schlafen nachts in ihrer alten Voliere und besuchen "ihren" Menschen."

4. Juni 2007

 

 

Die Schule der verlassenen Eichhörnchen (Münchener Tageszeitung)


Von Michael Timm


Früher unterrichtete er Latein und Deutsch auf einem großen Münchner Gymnasium. Heute ist seine Schule nur noch zehn Quadratmeter groß und mit Kaninchendraht umzäunt. In der einzigen Klasse klettern und springen neun lebhafte Schülerinnen und Schüler geschickt zwischen Ästen, Zweigen und Holzlatten umher. Es ist die Schule der verlassenen Eichhörnchen. Sie alle sind Findelkinder, haben ihre Mutter verloren. Doch trotz des schlimmen Schicksals sind es glückliche Tiere. Denn der ehemalige Studiendirektor Dieter Redl (65) hat im Ruhestand eine neue Lebensaufgabe gefunden: Er rettet die kleinen Eichhörnchen-Waisen vor dem sicheren Tod. In seinem Garten hat ihnen ein großes Freigehege gebaut. Dort zieht er sie liebevoll auf und bereitet sie auf ein Leben in der Natur vor. Von ihren älteren Artgenossen lernen die kleinen Kerlchen wichtige Verhaltensweisen. Wenn die Schüler zwölf Wochen alt sind, heißt es Abschied nehmen. Dann gibt es statt eines Zeugnisses etwas viel Wertvolleres: Lehrer Redl öffnet die Gitter-Tür und schenkt seinen kleinen Freunden die Freiheit.


"Eichhörnchen sind Wildtiere und gehören immer in die freie Natur", betont Dieter Redl. "In Gefangenschaft leiden sie, weil ihr ungeheurer Bewegungsdrang unterdrückt wird. Selbst das schönste Gehege wäre auf Dauer für sie eine Qual."


Dem Lehrer blutet das Herz, wenn er daran denkt, dass Eichhörnchen von manchen Menschen sogar gezüchtet und gehandelt werden: "Ein Leben im Käfig ist für sie Tierquälerei.".


So wie der erst vier Wochen alte Alex. Seine Mutter verteidigte ihn in einem Park verzweifelt gegen eine Krähe, bis sie von dem Angreifer tödlich verletzt wurde. Der Vogel hatte das hilflose Eichhörnchen-Baby schon in seinen Klauen, als Spaziergänger das Drama beobachteten und einen Ast nach ihm warfen. Da ließ er das Hörnchen fallen. Die Passanten nahmen das hilflose Baby mit. Im Internet entdeckten sie die Notrufnummer der Eichhörnchen-Schutzgemeinschaft ESA. Dort erfuhren sie, was zu tun war. Und sie erhielten die Adresse von Lehrer Redl, brachten das hilflose Tier hin.


Familie Redl füttert den kleinen Alex anfangs alle drei Stunden mit Aufzuchtsmilch, gemischt mit Fencheltee, Babybrei und Joghurt. Auch nachts. Da wechseln sich Dieter Redl, seine Frau Helga und Tochter Katharina ab. Nach jeder Mahlzeit müssen die Pflegeeltern das Babybäuchlein massieren, um Verdauung, Nieren und Blase anzuregen.


Alex hat es geschafft. Inzwischen tobt er mit seinen acht Artgenossen durch Lehrer Redls großes Freigehege. Er freut sich, wenn sein Ziehvater eine Schale mit Apfelstückchen, Mais, Champignons und geschälten Nüssen bringt. Sie selbst zu knacken muss er erst noch lernen. "Das kommt erst im Sommer, wenn die Nüsse reifen", erklärt Dieter Redl, der seit 2004 schon über 100 Eichhörnchen-Babys aufgezogen und gerettet hat. Dann ist Alex längst ausgewildert, flitzt durch Redls Garten und die Baumwipfel der Umgebung.


Die Münchner Eichhörnchen-Rettungsstation von Lehrer Redl ist nur eine von 77 deutschen Auffangstellen, die von der Eichhörnchen-Schutzgemeinschaft ESA ehrenamtlich organisiert werden. Allerdings ist sie fast immer überfüllt. Das soll sich jetzt ändern. "Weil wir immer mehr Findlinge bekommen und es langsam eng wird, suchen wir dringend tierliebe Eichhörnchen-Freunde, die ebenfalls eine Auffangstation gründen möchten", sagt ESA-Vorstand Kay Sobottka (38) aus Kiel, der den Verein vor drei Jahren gegründet hat. "Jedes Jahr geraten tausende Eichhörnchen-Babys in Not. Ihnen wollen wir helfen. Bisher konnten wir schon 1.800 Hörnchen retten. "Wie man eine eigene Auffangstation gründet, erfahren Interessenten unter Telefon (0431) 592 92 39 oder im Internet unter www.eichhoernchen-schutz.de

20. Mai 2007

 

 

Das Waisenhaus für Eichhörnchen-Babys (Eckernförder Zeitung)


Von Arne Peters


Eckernförde / sh:z - Shiva ist ein Findelkind. Vor wenigen Tagen lag das fünf Wochen alte Eichhörnchen-Baby auf der Fußmatte eines Ehepaares aus Kosel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und zitterte. Dahinter die Hauskatze, die ihre Beute stolz präsentierte. Seit zwei Tagen lebt Shiva nun im "Kindergehege" der Eckernförder Eichhörnchen-Aufzuchtstation der größten in Deutschland. Ziehmutter des kleinen Fellknäuels ist Stefanie Armbrust. Die 28 Jahre alte Tierärztin aus Köln schreibt ihre Doktorarbeit über das Verhalten von Eichhörnchen in Gefangenschaft. Hilfe bei der Pflege erhält sie von sieben Ein-Euro-Jobbern.


Die Eckernförder Aufzuchtstation wird von der ESA (Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft) mit Sitz in Kiel betreut und ist dreigeteilt: In der Kinderstube werden Babys bis zu einem Alter von acht Wochen aufgezogen. Das kleine Gehege ist ausgestattet mit Hängematte, Zweigen und einem Netz, das die Station in der Mitte trennt. "Für Susi", sagt Ein-Euro-Jobber Marco Knaup und meint damit das zweite Findelkind. "Das sechs Wochen alte Eichhörnchen-Mädchen macht die ersten Kletterversuche und fällt noch ab und zu runter." Das Netz soll sie nicht zu tief fallen lassen. Tagsüber tragen Stefanie Armbrust und ihre Helfer die Findelkinder in einem Beutel um den Hals bei sich. "Für die Eichhörnchen ist es in diesem Alter wichtig, dass sie noch Nähe und Körperwärme spüren und den Herzschlag hören", so Armbrust. Mehrmals täglich holt sie ihre Schützlinge hervor und füttert sie mit einem Gemisch aus Milch, Babynahrung, Joghurt, Honig und Kalziumkarbonat - auch nachts. "Bei Nesthockern muss danach die Darmtätigkeit stimuliert werden", sagt Armbrust. "Normalerweise leckt die Mutter den Jungen über Bauch und Geschlechtsteil. Wir erledigen das mit einem feuchten Lappen."


Im Alter von acht Wochen ziehen die Eichhörnchen um, finden in einem 50Quadratmeter großen Auswilderungsgehege Unterschlupf. Hier werden zurzeit zwölf der Tiere auf ihr Leben in freier Wildbahn vorbereitet, lernen mit Artgenossen umzugehen und sich Nahrung zu suchen. Das größte Gehege (100Quadratmeter, bis zu sieben Meter hoch) ist den Sorgenkindern vorbehalten. Hier kommen Tiere unter, die wegen einer Verletzung in freier Wildbahn keine Überlebenschance hätten. Jule und Browni zum Beispiel, zwei Eichhörnchen aus München, haben verkürzte Hinterbeine. Sie wären in freier Natur leichte Beute für Wildkatzen, Baummader und Greifvögel. Das gleiche gilt für Pelle, eine Eichhörnchen-Dame, die in Berlin unter einer Motorhaube gelebt und nun ein steifes Hinterbein hat. Und Hunger. Ein Eichhörnchen in der Auswilderungsstation vertilgt fast ein Kilogramm Nüsse pro Monat. Deshalb ist die Station auf Spenden angewiesen.

14. Mai 2007

 

 

Hallo, hier ist der Eichhörnchen-Notdienst (Hamburger Abendblatt)


Von Kerstin Hense


Neugierig blickt Eugen vom Schrank. Seine Augen wandern zu seiner Pflegemutter Angela Rober, die mit Flüssignahrung auf ihn wartet. Er springt auf ihren Schoß und streckt eine Pfote aus, um die Plastikspritze mit Milch zu umklammern. Eugen ist eines von acht Eichhörnchenbabys, die zurzeit bei Angela (43) und Karsten (42) Rober in Rahlstedt leben. Sie sind aus dem Nest gefallen und bei den Robers abgegeben worden.


Die Familie gehört zum Notfallteam der Eichhörnchen-Schutz-Aktionsgemeinschaft (ESA) in Kiel, die bundesweit Findelbabys vermittelt. In Hamburg gibt es insgesamt fünf Auffangstationen für die Tiere. Menschen, die ein Eichhörnchenbaby finden, können sich bei einer Notfallhotline der ESA, die rund um die Uhr erreichbar ist, melden.


Spätabends hatte bei Angela Rober das Telefon geklingelt. Anwohner aus Sasel hatten zwei wenige Tage alte Eichhörnchenbabys in ihren Gärten gefunden. "Ich weiß nicht, ob sie durchkommen. Sie sind extrem klein", sagt Rober während sie den beiden Findelbabys in ihrer Hand, die nicht größer als ein Zwei-Euro-Stück sind, über den Kopf streichelt. In ihrer Küche läuft die Espressomaschine. "Koffein hält mich wach", sagt sie und lächelt.


Seitdem die "Hörnchen" da sind, hat die Mutter von vier Kindern nicht mehr geschlafen. Jede Stunde muss sie den Nachwuchs füttern - Babynahrung, angemischt mit Wasser, Fencheltee und anderen Zutaten. Nach jeder Mahlzeit muss die Pflegemutter die Babybäuchlein massieren, um bei den Minis die Verdauung anzuregen. Ein Fulltime-Job. Ehrenamtlich. "Wenn ich diese hilflosen Wesen in meinen Händen halte, ist alles andere vergessen", sagt Rober, die schon 38 Findelbabys zu Hause aufgezogen hat.


Deutschlandweit sind in den vergangenen zwei Jahren an 60 Stationen 1700 der geschützten Tiere bei der ESA abgegeben worden. Der Verein setzt sich nicht nur für die Rettung junger Eichhörnchen ein, sondern auch gegen den illegalen Handel dieser Tiere. "Schmusetiere sind das nicht", warnt Kay Sobottka, Vorsitzender und Gründer der ESA. "Am Ende der Pflege, die bis zu zwölf Wochen andauert, müssen die Tiere wieder in die freie Wildbahn entlassen werden."


Wer ein verwaistes Eichhörnchen findet, kann sich unter der Notrufnummer 0700/463 76 24 36 wenden. Weitere Informationen gibt es unter www.eichhoernchen-schutz.de im Internet.

03. Mai 2007

 

 

Genug Platz für Eichhörnchen (Kieler Nachrichten)


Von Christoph Rohde


Eckernförde - Die bundesweit größte Eichhörnchen-Auffangstation in Eckernförde wird jetzt auch wissenschaftlich begleitet. Für die kommenden zwei Jahre betreut Tierärztin Stefanie Armbrust die Station und schreibt ihre Doktorarbeit über die Nager. Die ersten elf Eichhörnchen konnten kürzlich ausgewildert werden. Jetzt ist neuer Nachschub eingetroffen, meist aus dem Nest gefallene, kranke oder verletzte Findel-Tiere. Das kleinste Hörnchen ist gerade drei Wochen alt, kann kaum ein Auge öffnen, und kuschelt sich gleich wieder in die warme Hand von Stefanie Armbrust. Die junge Tierärztin, die gerade ihr Studium abgeschlossen hat, ist durch eigene Erfahrungen auf das Thema Eichhörnchen gestoßen. "Letztes Jahr im Praktikum hatten wir in der Praxis ein kleines Findel-Hörnchen. Und wie das so ist: Die Praktikantin bekommt es zum Großziehen mit nach Hause."


Als die 28-jährige Kölnerin vor der Frage der Auswilderung stand, kam der Kontakt zur ESA (Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft) zustande, die auch die Eckernförder Auffangstation betreibt. Die ESA wie auch Armbrust betonen: Eichhörnchen sind Wildtiere, die viel Bewegungsfreiheit brauchen.


Es gibt allerdings auch Eichhörnchen-Züchter und Verordnungen, die in der Gefangenschaft ein Mindest-Gehegemaß von gerade mal drei Quadratmetern Grundfläche und zwei Metern Höhe für zwei erwachsene Tiere vorgeben. "Zu wenig", ist Armbrust überzeugt und verweist auf Österreich, das mindestens acht Quadratmeter fordert.


Für ihre Doktorarbeit will die Tierärztin aufzeigen, wie sich Eichhörnchen in Gefangenschaft verhalten und welche Gehegegröße als artgerecht gelten kann. Dazu soll das Verhalten der Kletterkünstler in verschiedenen Situationen beobachtet, gefilmt und ausgewertet werden. So niedlich sie sind - Armbrust rät von einer Eichhörnchen-Haltung in Gefangenschaft ab.


Die Eckernförder Auffangstation mit Auswilderungsgehege bezeichnet die Tierärztin als vorbildlich. Die Arbeit des Vereins will sie durch die medizinische Versorgung der Tiere unterstützen.

30. April 2007

 

 

Auf dem Sprung in die Freiheit (Eckernförder Zeitung)


Von Michelle Ritterbusch


Am frühen Sonnabendmorgen entließ die Eichhörnchen Schutz Aktionsgesellschaft (ESA) elf ihrer Schützlinge aus dem Gehege am Noorwanderweg in die Freiheit.


Eckernförde - Ihre letzten Monate verbrachten sie gemeinsam im Auswilderungsgehege am Noorwanderweg. Sonnabend früh wurden die kleinen Findelkinder in ihre Freiheit entlassen. Die Zeit des Aufpäppelns war vorbei. Für elf Eichhörnchen begann ein Leben in der Natur. Etwas verdattert sahen sie aus, als die Tür des Geheges geöffnet wurde. Es dauerte seine Zeit, bis alle elf den Weg nach Draußen gefunden hatten. Eigentlich waren die Eichhörnchen im vergangenen Jahr mit ihren neuen bis zwölf Wochen schon alt genug, um in die Freiheit entlassen zu werden. Da sie dann aber kaum Zeit zum Vorräteanlegen gehabt hätten, hat die Eichhörnchen Schutz Gesellschaft (ESA) zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft ARGE und dem Umwelt-Info-Zentrum ein 50 Quadratmeter großes Gehege gebaut, das die neuen Bewohner am 21. November vergangenen Jahres beziehen konnten. Seitdem ist das Projekt zum richtigen Zuschauermagneten geworden: Schulklassen haben die Anlage besichtigt, und auch andere Menschen kamen bei einem Spaziergang vorbei, um die rot-braunen Kletterakrobaten zu bestaunen.


"Die Verbundenheit der Eckernförder mit ihrem Stadtwappentier ist wirklich enorm", sagte Kay Sobottka, Gründer und Vorsitzender der ESA und hob dabei hervor, dass die Bewohner des Ostseebades sehr verantwortungsvoll im Umgang mit den Tieren seien. Teilweise komme es nämlich vor, dass Menschen dachten, sie könnten ein verwaistes Eichhörnchenbaby auch ohne Hilfe wieder aufpäppeln und es später behalten. "Eichhörnchen können nicht in Gefangenschaft leben - erst recht nicht, wenn ihr Lebensraum nur drei Quadratmeter groß ist, wie es bei Privatpersonen oft vorkommt. Die müsse wieder freigelassen werden, weil sie sonst verhaltensauffällig werden." Daher sei es wichtig, verwaiste Nager bei einer der 70 Auffangstellen der ESA in ganz Deutschland abzugeben, rät Sobottka. Und das haben schon viel Menschen getan: Seit 2005 wurden rund 1700 Tiere bei der ESA verzeichnet, allein in diesem Jahr kamen 437 verweiste Eichhörnchen zu den Auffangstationen. "Das sind so viele, wie im ganzen vergangenen Jahr abgegeben wurden", berichtete Sobottka. Auch das letzte kleine Eichhörnchen machte sich nach gut einer halben Stunde langsam auf den Weg aus dem Gehege. Fast alle schlugen den Weg Richtung Wald ein. Zwar würden in den ersten Tagen einige in ihre gewohnten "vier Wände" zurückkommen, aber der natürliche Trieb stelle sich schnell ein, sodass sich die Tiere schon einen Tag später gar nicht mehr an Menschen herantrauen würden, sagte Sobottka.

30. März 2007

 

 

Futter und Liebe für junge Eichhörnchen (Eckernförder Zeitung)


Von Arne Peters


Eckernförde /Sh:z - Sie sind aus dem Nest gefallen, verletzt oder wurden von ihrer Mutter verlassen. Elf Eichhörnchenbabys werden derzeit in Eckernförde aufgepäppelt, um sie im Mai wieder auswildern zu können. Sie sind Gast im größten Auffang- und Auswilderungs-Gehege Deutschlands für Findel-Eichhörnchen, das sich seit November in Eckernförde befindet. Der niedliche Nager ist das Wappentier des Ostseebades.


Auch der Rotary Club Eckernförde-Dänischer Wohld trägt ein Eichhörnchen im Wappen - Grund genug, den Eckernförder Findelkindern mit einer kalorienreichen Spende unter die kurzen Arme zu greifen: 80 Kilogramm Haselnüsse sollen die Ernährung ein Jahr lang sichern. Betrieben wird das Projekt von der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft (ESA) mit Sitz in Kiel. Der Verein betreibt in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Luxemburg insgesamt 60 Auffangstationen. In den letzten zwei Jahren konnten rund 1200 Baby-Nager betreut und in die Freiheit entlassen werde.


"Die Findelkindsaison geht von Februar bis September", sagt ESA-Vorsitzender Kay Sobottka. Wer in dieser Zeit ein Junges findet, sollte zunächst schauen, ob sein Körper noch warm und unverletzt ist oder es andernfalls zum Tierarzt bringen. Vorher sollte beobachtet werden, ob die Mutter ihr Junges zurückholt.


Vor kurzem ist in Eckernförde ein zweites Gehege entstanden. In ihm werden demnächst vier "Dauerbesucher" aufgenommen, die zu schwach sind, um in der freien Natur überleben zu können. Betreut werden die Eichhörnchen von Ein-Euro-Jobbern.

19. März 2007

 

 

Fit für die Freiheit! (Bild der Frau)


Diese Tierschützer päppeln Nestplumpser und kranke Tiere wieder auf.


Vom Baum gestürzt, total abgemagert, verwaist: Ohne Rettungs-Stationen, fast immer ehrenamtlich von tierlieben Menschen geleitet, hätten viele Wildtiere keine Chance.


Kletterstunden für Eichhörnchen-Babys

Hopp! Hopp! Flink hüpft Eichhörnchen "Elvis" von einem Ast zum nächsten. Stolz steht Ziehvater Sobottka (38) am Gitter des Auswilderungs-Geheges. "Als er zu uns kam, war er winzig, wog nur 60 Gramm", erzählt der Gründer der Rettungsstation für Findel-Eichhörnchen in Eckernförde. "Damit er nicht auskühlt, habe ich ihn den ganzen Tag in einem Beutel unterm Pullover getragen."


Eichhörnchen-Papa Sobottka rettet jedes Jahr bis zu 50 der frechen kleinen Nager. "Einige fallen aus dem Nest", sagt Sobottka. "Andere werden von ihrer Mutter verlassen oder beim Bäumefällen verletzt." Dann startet der Tierfreund das Aufpäppel-Programm: "Bis zur sechsten Woche schlafen die Babys fast nur, kriegen zwischendurch Ersatzmilch", sagt Sobottka. "Ab der neunten Woche kommen sie ins Außengehege. Rund drei Wochen haben die Tierchen hier Zeit, das Klettern zu üben." Anschließend heißt es: Raus ins Freie - die Baumkronen stürmen!

März 2007

 

 

Erste Hilfe für Eichhörnchen-Kinder (TREFF - Das Wissensmagazin für Schüler)


Von Katrin Imbery


Jedes Jahr dasselbe: Neugeborene Eichhörnchen fallen aus ihren Baumnestern. Nicht immer finden die Jungen zu ihrer Mutter zurück - und doch gibt es oft ein Happy End: Tierfreunde übernehmen die Aufzucht der kleinen Nager.


"Komm schnell, hier liegt ein kleines Tier!" Wie angewurzelt stehen der 12-jährige Philip und seine Schwester Jana unter der Birke und schauen auf das zusammengerollte Wesen am Boden. Mit seinem buschigen Schwanz sieht es schon aus wie ein "richtiges", winzig kleines Eichhörnchen. Die Kinder wissen nicht, was sie mit dem Findelkind anstellen sollen.


Wird die Mutter ihr Kleines zurückholen?

Braucht es überhaupt ihre Hilfe? Wird die Mutter ihr Junges noch annehmen, wenn es nach Mensch riecht? Die Kinder wollen dem kleinen Nager auf keinen Fall schaden. Im Internet suchen sie deshalb fieberhaft nach Informationen. Schnell stoßen sie auf die Seite der "Eichhörnchen Schutz Aktions-Gemeinschaft" (ESA). Die Experten dort wissen genau, was in so einem Eichhörnchen-Notfall zu tun ist. "Wenn ihr ein Baby findet, kümmert euch auf alle Fälle darum!", rät Kay Sobottka, Vorsitzender der ESA. "Keine Angst! Der menschliche Geruch stört die Mutter nicht." Wie aber sieht die richtige Hilfe aus? "Wirkt das Kleine verletzt? Dann müsst ihr es sofort zum Tierarzt bringen. Manchmal holt die Eichhörnchenmutter ihr Junges auch zurück. Allerdings nur wenn es unverletzt und schön warm ist. Geht es dem Eichhörnchen soweit gut, nehmt es also in eure Hände, bis es sich wärmer als eure Haut anfühlt. Dann legt es an die Fundstelle zurück." Nun heißt es Geduld haben: Bis sich die Mutter ihrem Baby nähert, können drei Stunden vergehen. Was aber, wenn die Mutter nicht mehr auftaucht? Herr Sobottka: "Das Kleine hat dann nur eine Überlebenschance, wenn ihr es mit nach Hause nehmt, ihm Wärme und etwas zu trinken gebt." Klar: Hat man so ein Tier erstmal in sein Herz geschlossen, möchte man es am liebsten nicht mehr hergeben! Doch das Aufziehen von Eich-hörnchen ist sehr kompliziert - da kann viel schiefgehen.


Schnell zurück in die Freiheit

Besser ist es, das Junge bei einer der über 60 Auffangstationen der ESA abzugeben. Dort haben die Mitarbeiter viel Erfahrung: Über 1 100 Tiere haben sie in den letzten zwei Jahren gerettet! Hier werden die Kleinen optimal auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. "Ein Eichhörnchen ist kein Haustier", mahnt Kay Sobottka, "Tierfreunde sollten deshalb alles dafür tun, dass ein Findelkind dahin zurückkehren kann, wo es glücklich ist; in die Natur."

Februar 2007

 

 

Eichhörnchen gehören in den Wald (Tier-ABC)


Von Gabi Böhm


Unfassbar, wie Menschen auf die Idee kommen können, Eichhörnchen in Käfige zu sperren. Wer die kleinen koboldhaften Gestalten mit ihrem markanten buschigen Schwanz und ihren fingerartigen Zehen bei ihren tollkühnen Kletterkünsten und ihrer pausenlosen Geschäftigkeit jemals in der Natur beobachtet hat, steht völlig fassungslos vor solch einem Käfig!


Eichhörnchen sind extrem bewegungsfeudige Tiere. Sie sind die besten Kletterer der Welt, die, ebenso wie der Kleiber, die Fähigkeit besitzen, kopfabwärts zu klettern. Mit ihren kräftigen Hinterbeinen und ihren scharfen Krallen können sie bis zu fünf Meter weit springen.

Vor dem Winter sieht man sie emsig umherlaufen und Nüsse, Samen und ähnliches sammeln, die sie dann anschließend vergraben oder in Astlöchern und Steinritzen, unter Baumwurzeln und in niedrigem Strauchwerk verstecken. Sie halten nur eine Winterruhe, nicht wie andere Tiere einen Winterschlaf.


Bei Recherchen im Internet entdeckt man schließlich Erschreckendes: einen großen Anzeigenmarkt zum Thema "Eichhörnchen kaufen & verkaufen". "Ab vier Eichhörnchen übernehmen wir die gesamten Transportkosten. Versand mit Lebendlogistik" oder "Eichhörnchen auch für Anfänger. Alle mit Herkunftsbescheinigung. Versand kein Problem" ist dort beispielsweise zu lesen. Auch Zubehör für den Bau von Aluvolieren und Käfigen, Futterautomaten, Klettergerüste, Schaukeln oder Eichhörnchen-Laufräder, die besonders empfohlen werden, um "Käfigpsychose" zu vermeiden, werden angeboten. Außerdem enthalten die Internetseiten eine Reihe von Tipps zur gesunden Ernährung, "artgerechten" Haltung sowie zu Fang und Transport. "Der Fang sollte sehr schnell gehen", wird geraten, "weil sie sonst einen Herzschlag erleiden könnten. Im Sommer sollte man sie am besten überhaupt nicht fangen. Nur an kühlen Tagen ist es kein Problem. Transportkisten sind von der Materialseite so zu wählen, dass ein Durchnagen während des Transports ausgeschlossen ist", heißt es weiter.


Eichhörnchen sind der Anlage I aufgeführt und gelten in Deutschland gemäß der Bundesartenschutzverordnung (BartSchV) als besonders geschützte Tierart. In § 41 ist geregelt, dass man ihnen weder nachstellen, noch sie fangen, verletzen, töten, noch ihr Entwicklungsformen, Nist- Brust-, Wohn- oder Zufluchtsstätten der Natur entnehmen, beschädigen oder zerstören darf. Laut BnatSchG besteht für europäische Eichhörnchen ein Besitz- und Vermarktungsverbot. Doch es gibt auch genehmigte "professionelle" und "private" Zuchten. Wie ist so etwas möglich? Das Gesetz erlaubt es, Eichhörnchen aus einer Zucht in Volieren zu halten. Allerdings besteht eine Meldepflicht mit dem Nachweis, dass man sie legal erworben hat. Gemeldet werden müssen die Eichhörnchen bei den Regierungspräsidien, wobei für jedes Bundesland andere Regeln gelten. Der Halter muss über ausreichende Sachkenntnisse verfügen und die Halterbedingungen müssen erfüllt sein. Sie werden durch die Veterinärämter kontrolliert. Eine Zuchtgenehmigung ist hingegen nicht erforderlich. Es seien legale "Zuchtstämme" entstanden, für deren Nachkommen eine Vermarktungserlaubnis erteilt wurde, so Carsten Weber, Ressortleiter Artenschutz bei der NABU Gruppe Karlsruhe. "Da sich niemand um die ordnungsgemäße Kontrolle kümmert sie zum Beispiel DNA-Tests für Abstammungsuntersuchungen, ist ein Nachweis gegen die "Züchter" nicht oder nur durch Zufall möglich." Trotzdem sollte man immer bei einer Käfighaltung eine Anzeige bei der Polizei machen, rät Weber, um die Besitzer überprüfen zu lassen beziehungsweise unberechtigt gehaltene Tiere wieder in die Freiheit zu entlassen.


Die Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft ESA e.V. klärt über die tierquälerische Eichhörnchenzucht auf. Die Folgen der Gefangenhaltung sind katastrophal. Es entwickeln sie stereotype Verhaltensweisen wie stundenlanges Hin- und Herlaufen oder im Kreis rennen sowie gefangenschaftsbedingte Schäden wie zum Beispiel abgefressene Schwänze. Eichhörnchen mit ihrem enormen Bewegungsdrang in enge Käfige zu sperren ist grausame Tierquälerei. Wie sehr die Wildtiere darunter leiden, weiß Annette Koop von der Tierhilfe Forst e.V. zu berichten, die zur Zeit wieder ein Eichhörnchen in Pflege hat und froh ist, wenn sie es endlich auswildern kann.

Februar 2007

 

 

Eichhörnchen in Not (Der Tier-Freund)


Es war Ostern, als eine verzweifelte Frau bei "Tiere in Not e.V." Bochum anrief: Ich haben zwei Eichhörnchen gefunden. Die waren ganz allein, sind mir nachgelaufen, an mir hochgeklettert und haben sich dann in meiner Manteltasche eingenistet. Helfen Sie mir! Ich habe schon überall angerufen aber keiner, auch nicht der Tierarzt, kann oder wollte mir helfen. Ich kann doch die armen kleinen Eichhörnchen nicht ihrem Schicksal überlassen, das bedeutet doch ihren sicheren Tod. Auf sie bin ich gekommen, weil ich 2 Katzen von ihnen habe.


Der Notdienstmitarbeiter überlegte nicht lange und sagte der Frau: "Kommen sie vorbei, wir kümmern uns um die Tiere." Tiere in Not e.V. hatte zwar noch nicht mit Eichhörnchen zu tun, aber sie wollten helfen. Nach kurzer Zeit stand die Frau mit den Eichhörnchenbabys in der Geschäftstelle. Sie waren noch sehr klein und waren schon ausgetrocknet. Hilfe fanden die Tierschützer im Internet auf den Seiten der "Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft e.V.". Hier wurde sehr gut und verständlich beschrieben, was zu tun ist. Da der Verein Tiere in Not e.V. jedes Jahr viele Katzenbabys aufzieht, waren viele notwendige Dinge vorhanden und die Futtertechnik unterscheidet sich auch nicht besonders.


Die Eichhörnchenbabys wurden mit spezieller Flüssigkeit versorgt, um der Austrocknung entgegenzuwirken. Bei einem Telefongespräch mit dem Vorsitzenden der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft Herrn Kay Sobottka, wurde vereinbart, dass Tiere in Not e.V. die Aufzucht der Tiere übernimmt, da die Aufzuchtstationen der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft schon mit Eichhörnchenbabys überfüllt war. Weiter wurde vereinbart, dass, wenn die Babys selbständig fressen, die Schuztgemeinschaft sie in eine ihrer Auswilderungstation übernehmen wird. Allen Beteiligten war klar, dass die Eichhörnchen auf alle Fälle wieder ausgewildert werden, denn es sind Wildtiere und die gehören nicht in Käfige. Heute hat Tiere in Not e.V. schon fünf Eichhörnchenbabys zur Aufzucht und es klappt sehr gut. Eine Gewichtszunahme, die durch tägliches Wiegen festgestellt wird, ist das Zeichen, dass alles ok ist. Die Entwicklung ist prächtig, von anfänglich ca. 60 g auf heute ca. 140 g zeigt, dass alles richtig gemacht wird. Bald kommt der Tag des Abschieds und die Babys wechseln in die Auswilderstation.

31. Juli 2004

 

 

Eichhörnchen ... liebenswerte Gesellen, Alpi, Ausgabe 1/2007


Die meisten Menschen finden Eichhörnchen einfach nur "putzig". Die Wenigsten wissen, dass es sich hier um ein geschütztes Wildtier handelt, das vom Aussterben bedroht ist. Eichhörnchen sind wundervolle Tiere. Auf Spaziergängen und im eigenen Garten kann man sie beobachten, wie sie Nüsse stibitzen, und bewundern, wie sie anschliessend scheinbar schwerelos die Bäume hinaufgleiten.


Die Hauptnahrung von Eichhörnchen sind Tannen-, Kiefern- und Fichtensamen, Knospen und junge Triebe. Zur absoluten Leibspeise gehören aber Nüsse (Haselnüsse, Wallnüsse). Ross- und Edelkastanien, Gallen, Hainbuchsamen, Beeren, Körner, Pilze und Obst werden auch sehr gern verzehrt. Sie fressen aber auch Insekten, Larven, Schnecken und sehr selten Vogeleier. Die flinken Nager sind ausgezeichnet an ihr Leben in den Bäumen und ihre Ernährungsweisen angepasst. Was uns an Eichhörnchen als niedlich erscheint, hat in der Natur und dem täglichen Kampf ums Überleben aber durchaus eine wichtige Funktion.


Die Gliedmassen der baumbewohnenden Hörnchen sind länger als die ihrer erdbewohnenden Verwandten. Besonders die Hinterbeine sind lang und mit starken Muskeln ausgestattet, die weite Sprünge und schnelles Klettern ermöglichen. Beim Laufen auf dem Boden bewegen sich die Eichhörnchen wegen ihrer langen Hinterbeine in hasenähnlichen Sprüngen fort, wobei die Hinterpfoten jeweils an den Vorderpfoten vorbei aufgesetzt werden. Der Schwanz wird beim Laufen über den Boden gehalten, manchmal auch über dem Rücken getragen, jedenfalls schleift er nie auf dem Boden.


Eichhörnchen gehören (wie wir Menschen und z.B. die Bären) zu den Sohlengängern (während z.B. Mäuse auf den Zehen laufen). An den Vorderpfoten befinden sich vier lange, enorm bewegliche Finger mit langen gebogenen Krallen sowie ein verkümmerter Daumen, der lediglich eine Erhebung mit einem Fingernagel, ähnlich den unsrigen, darstellt. An den Hinterpfoten hat das Eichhörnchen fünf Zehen, die den Fingern ähnlich sind. Diese langen Finger und Zehen mit ihren langen messerscharfen Krallen erlauben den Tieren, auch an glatten Rinden behände empor und kopfüber wieder hinab zu klettern.


Die Hände sind ausserdem hervorragend zum Hantieren mit Nüssen, Zapfen etc. geeignet, sowie auch zum Nestbau und dem Vergraben von Vorräten. Die Fellbarben variieren regional, jahreszeitlich und auch individuell sehr stark. Sie reichen auf dem Rücken von fuchsrot bis braunschwarz, die Bauchseite ist viel heller bis rein weiss. Das Sommerfell ist jeweils heller als das Winterfell, dazu auch weniger dicht. Im Winter wird das Fell länger und die Fellbüschel an den Ohren werden 2-3 cm lang. Diese Verfärbung betrifft auch den Schwanz, der ebenfalls im Winter noch buschiger wird. Ausserdem weisen in der kalten Jahreszeit die sonst nackten Fusssohlen eine Behaarung auf.


Nur ein Fünftel bis ein Viertel der Jungtiere wird älter als ein Jahr. Durch den Faktor Mensch und den immer mehr zunehmenden Autoverkehr werden die Eichhörnchen dezimiert, denn oftmals werden Strassen ein unüberwindbares Hindernis bei der Futtersuche oder auf der Flucht. Auch durch die Verarmung der Wälder aufgrund intensiver Forstwirtschaft werden sie bedroht. Wer mehr über das Eichhörnchen wissen möchte, kann sich hier detailliert informieren: www.eichhoernchen-schutz.de und die schweizer Partner www.eichhoernchen-station.ch

31. Juli 2004

 

 

Eichhörnchen Zeitgenossen, Genossen auf Zeit, Tierpost Ausgabe 1/2007


Von Dieter Redl


Wenn dieser Artikel erscheint, werden die "Feuerwehrleute" der Tierrettung sich nach einem sehr milden Winter schon mit zahlreichen Wildtierjungen befasst haben, darunter sicher auch mit Eichhörnchenbabys. Dabei stoßen die Helfer der Tierrettung schnell an organisatorische und personelle Grenzen. Warum das so ist, erklärt sich aus den Anforderungen, die an die Aufzucht und Pflege von Eichhörnchenwaisen gestellt werden. Im Folgenden soll knapp beschrieben werden, warum Eichhörnchenbabys mutterlos aufgefunden werden, welche Kriterien bei der Einschätzung des Zustands der Findelkinder anzulegen sind und schließlich, welche Maßnahmen kurz und mittelfristig zur Versorgung der Tiere notwendig sind. Für die Leser der Tierpost soll dies ein Leitfaden zur erfolgreichen "ersten Hilfe" und kann eine Anregung zu möglicherweise langfristigem Engagement für diese Wildtiere sein. Jedem "Retter" muss von vorneherein klar sein, dass Eichhörnchen keine Haustiere, kein Kinderspielzeug und keine Handelsware sind.


In der Großstadt suchen Eichhörnchenmütter sich oft Nistplätze auf Balkonen und Mauervorsprüngen von mehrstöckigen Häusern. Wenn sie sich gestört fühlen, ziehen sie mit ihren Jungen um, dabei bieten Fassaden meist nicht den gleichen Halt wie Bäume. Es kommt zu Abstürzen, bei denen die Jungen sich nicht genügend am Muttertier festhalten können. Auch die Nester auf Bäumen sind nicht immer sicher: Bei Sanierungsarbeiten an Bäumen und Fällarbeiten berücksichtigen die "Spezialisten" oft vorhandene Nistplätze nicht. Dazu ist die Natur auch grausam genug, dass Eichhörnchenmütter schwache Kinder ausstoßen, um den Rest des Wurfs besser versorgen zu können.


Unterkühlung und Dehydrierung

Besonders in den ersten fünf Wochen, in denen die Tiere noch nackt sind, kühlt ein Eichhörnchenbaby sehr schnell aus, wenn es längere Zeit nicht von seiner Mutter betreut wird. Ob ein Tier dehydriert ist, lässt sich leicht feststellen. Indem man seine Haut am Rücken etwas zusammendrückt: Geht die entstandene Falte nur langsam zurück, ist der Findling akut gefährdet. Neben Katzen machen sich auch Krähen und Raubvögel über die Jungen her. Besonders gefährlich sind Katzenbisse wegen der im Katzenspeichel immer vorhandenen Pasteurellen. Bei Stürzen aus größeren Höhen kommt es oft zu schweren Verletzungen. Besonders schlimm sind wegen der Spätfolgen Kieferverletzungen bzw. Verschiebungen. Flöhe sind häufige Quälgeister besonders schon behaarter Eichhörnchenbabys. Da Flöhe enorme Mengen Blut saugen können, ist ein Jungtier schnell blutleer. Dass sich Fliegenmaden im Fell oder schon unter dem Fell verletzter Tieren oder schwacher Tiere bewegen, kommt oft vor; in diesem Fall sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Unsichtbar und nur durch ärztliche Untersuchung feststellbar sind Kokzidien, die der Arzt mit Appertex ® bekämpfen wird und Würmer. Auf Befall mit diesen Parasiten kann man schließen, wenn ein Tier nicht zunimmt.


Was ist zu tun, wenn man ein verlassenes Tier findet?

Zunächst hängt das Handeln vom Fundort, der Tageszeit und den äußeren Umständen ab. Birgt der Ort für das Tier Gefahren durch nahe Straßen, freilaufende Hunde und Katzen usw. sollte man das Tier sofort aufnehmen. Dies gilt auch, wenn es schon Dunkel wird, weil Eichhörnchenmütter dann kaum noch aktiv sind und die Jungen eine Nacht allein im Freien selten überstehen. Sonst kann man oft abwarten, ob die Eichhörnchenmutter ihr verlorenes Kind noch abholt. Ist ein Tier unterkühlt, muss es gewärmt werden. Eichhörnchenmütter lehnen ihr Junges eher ab, wenn es unterkühlt oder verletzt ist als wenn es von Menschen berührt wurde. Da Eichhörnchen immer mehrere Jungen haben, sollte man immer die Umgebung nach weiteren Junge absuchen, wenn man ein einzelnes gefunden hat. Hat man ein Tier mit nach Hause genommen, sollte man es vor allem warm halten und mit Flüssigkeit, die ersten Stunden aber keinesfalls mit Milch, versorgen. Der nächste Schritt muss die Untersuchung auf Verletzungen sein. Tiere mit blutenden oder schon verkrusteten Wunden oder Lähmungserscheinungen müssen zum Tierarzt gebracht werden. Fliegenmaden fressen sich durch kleinste Wunden und durch Körperöffnungen unter das Fell der Tiere. Sie sofort und gründlich zu entfernen ist dringend und nicht nur einmalig notwendig. Flöhe lassen sich aus dem Fell mit einem entsprechenden Kamm recht gut entfernen. Zecken lassen sich bei Eichhörnchen mit einer handelsüblichen Zeckenzange entfernen. In allen aufgeführten Fällen sollte man die "Ergebnisse" von einem Tierarzt überprüfen lassen, der über die weitere Vorgehensweise und den möglichen Einsatz von Antibiotika und anderen Medikamenten entscheiden kann. Grundsätzlich sollte man mit schwachen und noch sehr jungen Tieren einen Tierarzt aufsuchen. (Die meisten Tierärzte gehen von dem Grundsatz aus, dass Wildtiere niemandem gehören und daher auch an niemanden eine Rechnung ausgestellt werden kann).


Wärme und Unterbringen

Ohne Wärmflasche kommen die Babys nicht aus. Die Wärmflasche sollte immer handwarm und mit weichen Tüchern oder Tuchresten abgedeckt sein. Darauf bildet man aus weiteren Tüchern ein Nest, das gerade der Größe des Eichhörnchens entspricht und oben gut und lichtdicht abgedeckt wird. Das Nest kann in einer Pappschachtel deponiert werden, die aber immer genügend beschwert zugedeckt sein sollte.


Füttern

Das bedeutet keinesfalls Füttern mit Kondensmilch, mit Kuhmilch, mit Sahne, mit Früchtebrei, mit Nüssen, die man den Kleinen vor die Nase legt, und man darf die Tiere nicht gleich nach dem Auffinden füttern. Flüssigkeitsersatz: 500 ml Wasser abkochen abkühlen lassen, eine Miniprise Salz, drei Teelöffel Traubenzucker, notfalls Zucker oder Honig. Gefüttert wird am besten mit einer 1ml Spritze, die seitlich ins Maul eingeschoben wird. Man kann anfangs auch einen Finger in die Lösung eintauchen und damit die Lippen des Babys benetzen, irgendwann beginnt es zu schlecken. Wenn ein Tier, meist aus Schwäche, gar nicht trinken will, muss der Tierarzt Elektrolytlösung unter die Haus spritzen. Erst dann darf an Milchfütterung gedacht werden.


Die Aufzuchtsmilch

Gut bewährt haben sich die laktosefreien Milchpulverprodukte Humana SL und Gimpet® Cat-milk. Zum Anrühren: Fencheltee, dazu Kondensmilch (mind. 7,5 % Fettgehalt, sehr wichtig!), Vitacombex® Vitaminpräparat, Calciumcarbonat Pulver (aus der Apotheke), etwas reinen Joghurt 3,5 % Fettgehalt und Sab Simplex, verschließbare Gläschen, mehrere 1ml Spritzen (natürlich ohne Nadel), später auch 5ml- und 10ml Spritzen.


Michverhältnis

Tiere bis vier Wochen und frisch aufgefundene nur so füttern: 1 Teelöffel Grundstoff (Humana SL) + 8 Teelöffel Tee + 1 Teelöffel Kondensmilch + einige Tropfen Sab Simplex®. Dazu einen Tropfen Vitacombex® und eine Messerspitze Calciumcarbonat. Es muss ganz vorsichtig gefüttert werden. Der winzige Magen-Darm-Trakt muss sich erst wieder an eine Nahrung gewöhnen. Andere: 1 Teelöffel Grundstoff (Humana SL, Gimpet® + 4 Teelöffel Tee + 2 Teelöffel Kondensmilch + Sab Simplex®. Dazu einen halben Teelöffel Joghurt, ein paar Tropfen Vitacombex® und eine kleine Messerspitze Calciumcarbonat.


Nahrungsmenge pro Mahlzeit

Gewicht geteilt durch 100 mal 8 (Gewicht/100) x 5 = ml Milch. (Täglich wiegen!).


Wie wird die Milch gefüttert?

Diese Nahrung gibt man den kleinsten Eichhörnchenbabys am besten mit Hilfe einer 1ml-Spritze (natürlich ohne Kanüle) langsam und lauwarm zu trinken. Es wird verhindert, dass Flüssigkeit in die Atemwege gespritzt wird. Für die Eichhörnchenbabys ist es am angenehmsten, wenn Sie sie "bäuchlings" füttern. Am Anfang muss man die Eichhörnchenbabys aber häufig in die Hand nehmen und seine Vorderbeine über den eigenen Daumen und Zeigefinger legen, mit dem kleinen Finger die Hinterbeine stützen und es so in aufrechter Position füttern. Dabei ist sehr viel Geduld erforderlich. Bewährt hat es sich, "widerspenstige" Eichhörnchenbabys in etwas Küchenkrepp einzuwickeln. Was oben reingeht, muss unten, wenigstens teilweise, wieder raus. Die Eichhörnchen Mutter füttert ihre Jungen nicht nur, so fördert die Verdauung, indem sie den Bauch massiert und legt sie trocken, indem sie die Harnwege stimuliert und den Urin weg leckt. Das ist nun die Aufgabe der Ersatzeltern. Nach jeder Fütterung muss etwa bis zur siebten Woche unbedingt dafür gesorgt werden, dass das Baby urinieren kann. Dies macht man mit vorsichtigem "Gegentippen" oder "Abstreichen" des Geschlechtsteils. Am besten man nutzt dazu eine Ecke eines weichen Papiertuchs. Alles, was man im Rahmen der "Tierrettung" wissen sollte, ist damit aufgezeigt.


Unter www.eichhoernchen-schutz.de finden sich Hinweise auf den weiteren "Lebensweg" der Findlinge bis zur Auswilderung mit zwölf Wochen. Am Notfalltelefon 0700/ 436 762 436 oder 0431/ 592 639 der Eichhörnchenschutzgemeinschaft werden Finder beraten (Rückruf!), und gegebenenfalls mit einer Auffangstation verbunden.


Bedanken möchte sich der Autor ganz herzlich bei Frau Dr. Menges, die es ihm und der Eichhörnchenschutzgemeinschaft ermöglicht hat, den Lesern der Tierpost das Problem der Eichhörnchenfindlinge näher zu bringen. Für Leser, die wissen wollen, auf was sie sich einlassen könnten: Der Autor dieses Textes betreibt zusammen mit seiner Frau seit drei Jahren im Rahmen der Schutzgemeinschaft eine Aufzuchtstation für Eichhörnchen im Münchner Umland. In diesem Zeitraum wurden ca. 100 Hörnchen, die bei der Aufnahme drei bis sechs Wochen alt waren, betreut und ausgewildert.

29. Januar 2007

 

 

Waisenhaus für Eichhörnchen (Neues Deutschland)

Eckernförder Station bereitet Findelkinder auf Leben in freier Wildbahn vor


Von Dieter Hanisch


Sie kommen aus dem Raum Stuttgart, aus der Umgebung von Köln oder aus der Hamburger Gegend, und haben ihr zeitweiliges Zuhause in Eckernförde: Die Rede ist von Eichhörnchen-Findelkindern, die in der ersten bundesweiten Eichhörnchen-Auffangstation versorgt und dann wieder ausgewildert werden.


Nach rund zwölf Wochen werden Eichhörnchen-Findelkinder normalerweise ausgewildert. Da die Jungtiere jetzt im Winter allein kaum überleben würden, weil sie über keine selbst angelegten Nahrungsvorräte verfügen, bleiben sie bis etwa Ende April in ihrer neuen Obhut, für die die Eichhörnchenschutz-Aktionsgemeinschaft (ESA) verantwortlich ist, deren Verein sich in Schleswig-Holstein gegründet hat und inzwischen bundesweit aktiv ist. Für kranke Jungtiere oder jetzt im Eckernförder Fall jahreszeitliche Spätgeburten gibt es ein Notruftelefon.


Immer wieder kommt es vor, dass der Eichhörnchennachwuchs bei Forstarbeiten Schaden nimmt, Tiere aus dem Kobel (Nest) fallen oder von der Mutter verstoßen werden. Etwa 60 kleine private Schutzplätze existieren in Deutschland, die sich dann besagter Tiere annehmen. Die erste öffentliche Schutzstation hat nun an der Ostsee ihren Platz gefunden. Bei den Stadtoberen von Eckernförde stieß man mit dieser Idee auf offene Ohren, hat die Kommune doch das Eichhörnchen in ihrem Stadtwappen. Mit einer einjährigen Vorlaufzeit wurden zwei große Gehege mit einer ARGE-Maßnahme auf dem Gelände des Umwelt-Informationszentrums gebaut, ehe in diesem Winter die ersten zwölf Tiere die Schutzstation beziehen konnten.


Dort fehlt es ihnen an nichts. Sie haben warme Schlafboxen, ausreichend Nahrung und viel Bewegungsfreiheit. Gesetzlich vorgeschrieben sind drei Quadratmeter für zwei Tiere bei zwei Metern Höhe. Das Auswilderungsgehege ist vier Meter hoch und umfasst 50 Quadratmeter. Der Bedarf für solch eine Einrichtung ist unstrittig, meint Kay Sobottka aus Kiel, Gründer und Vorsitzender der ESA, denn allein in den vergangenen beiden Jahren wurden in Deutschland 1200 Findel-Eichhörnchen aufgepäppelt und wieder in die Freiheit entlassen. Bislang trägt sich aber nur Berlin mit dem Gedanken, das Eckernförder Modell zu kopieren. Nächstes Jahr soll in Eckernförde dann ein zweites großes Gehege mit 100 Quadratmetern bei sieben Metern Höhe - auch hier samt Kletterbaum - bevölkert werden. Dort sollen behinderte Tiere ein dauerhaftes Zuhause finden, wären sie in freier Natur doch schutzlos ihren Feinden ausgesetzt. Fünf Ein-Euro-Jobber betreuen zurzeit die Eichhörnchen, das Futter kommt meist aus Spendengeldern.


Auf Anfrage werden Schulklassen von ESA mit Eichhörnchen-Wissen ausgestattet, und in Eckernförde ist dann sogar eine direkte Begegnung möglich. Sobottka freut sich aber nicht nur wegen der nächsten Auswilderung auf das Frühjahr. Dann will nämlich auch eine Tiermedizinerin in Eckernförde ihre Doktorarbeit über das Verhalten von Eichhörnchen schreiben.


Sehr verschnupft ist der ESA-Vorsitzende dagegen, wenn er sich einige Medienberichte anschaut, die suggerieren, dass aus dem Wildtier Eichhörnchen auch ein zuchtzahmes Haustier werden kann. "Wer ein Eichhörnchen in sein Herz geschlossen hat und dem Tier etwas Gutes tun will, der kann mit uns lieber über eine Patenschaft reden", regt Sobottka an.

03. Dezember 2006

 

 

Eckernförde eröffnet Auffang- und Auswilderungsstation (Hamburger Abendblatt)

Ein Hort für Eichhörnchen-Babys in Not


Sie sind aus dem Nest gefallen, wurden von der Mutter verlassen oder beim Bäumefällen verletzt: In Not geratene Baby-Eichhörnchen finden jetzt in Eckernförde lebensrettende Hilfe. In der Stadt mit dem possierlichen Nagetier im Wappen öffnete die bundesweit größte Auffang- und Auswilderungsstation für Findel-Eichhörnchen. "Dieses Vorzeigeprojekt soll Vorläufer für weitere Hilfsstationen sein", betont Kay Sobottka. Der Gründer und Chef der Eichhörnchen-Schutz-Aktionsgemeinschaft (ESA) hat mit vielen Helfern allein in den zwei Jahren 1200 Baby-Nager aufgepäppelt, um sie in die Freiheit zu entlassen.


Hilfe für die kleinen Nager mit dem buschigen Schwanz scheint dringend erforderlich: Das Eichhörnchen sei in diesem Jahr auf die Rote Liste der gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten gesetzt worden, betont der 37 Jahre alte Web-Designer. Sein Engagement begann vor wenigen Jahren: "Damals kletterte ein Eichhörnchen am Hosenbein meiner Freundin Hilfe suchend hoch", erinnert er sich. Um die beiden war es fortan geschehen und das Projekt Eichhörnchen-Schutz geboren.

dpa

01. Dezember 2006

 

 

Schutzraum für Wappentier (Eckernförder Zeitung)


Von Inga Hehnen


Eckernförde hat sein erstes Eichhörnchengehege. Gestern wurde es eingeweiht. Zehn Eichhörnchen sind in das Tierhaus auf dem Gelände des Umwelt-Info-Zentrums eingezogen.


Eckernförde - Ohne Hilfe hätten sie nicht überlebt. Dafür waren sie zu klein und schutzlos. Doch Mitglieder der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft (ESA) päppelten die kleinen Nager auf. Seit Freitag bewohnen sie das erste Auswilderungsgehege für Eichhörnchen in Eckernförde, das auf dem Gelände des Umwelt-Info-Zentrums steht. Mit seinen 50 Quadratmetern Grundfläche ist es das größte, das der Verein ESA zurzeit betreibt.


Gemeinsam mit der Stadt Eckernförde, PRO Region und der ARGE konnte die ESA ihr Projekt umsetzen. Die Stadt stellte das Gelände und das Baumaterial zur Verfügung. Pro Regio gemeinsam mit der ARGE die Arbeitskräfte. Ein-Euro-Kräfte arbeiteten mehrere Monate an der Konstruktion aus Holz, in der sich 16 Schlafboxen, mehrere Baumstämme zum klettern und Zweige befinden. Zurzeit stellen sie ein zweites Tierhaus mit 100 Quadratmetern Grundfläche fertig. Dieses ist für "Dauerbesucher" gedacht, Eichhörnchen, die nicht mehr ausgewildert können, weil sie zum Beispiel steife Hinterläufe haben.


Als Vertreter der Stadt dankte Georg Bicker (CDU) den Helfern für ihren Einsatz. "Gerade in Eckernförde muss dieses Projekt hoch angesiedelt sein, weil das Eichhörnchen unser Wappentier ist", sagte er.


Voraussichtlich im Mai sollen die zehn Tiere zurück in die Natur gelassen werden. Die Auswilderungschancen seien bei Eichhörnchen sehr gut, sagte der ESA-Vorsitzende Kay Sobottke. Einige Tiere würden zwar in Gefangenschaft sehr zahm werden, "doch wenn die Türen auf sind, kommt in ihnen die Wildheit wieder durch", berichtete der 37-jährige Kieler. Er gründete 2004 die ESA. Mittlerweile hat der Verein 2005 und 2006 bundesweit über 1200 Findelkinder betreut. Überwiegend kümmern sich Privatleute mit eigenen, kleineren Gehegen um die Tiere. In Eckernförde kümmern sich jetzt sechs Ein-Euro-Kräfte sowie ehrenamtliche Helfer um die Pflege der Eichhörnchen. Sie säubern das Gehege, füttern sie mit Zapfen, Nüssen und Obst. "Die Findelkindsaison geht von Februar bis September", erklärte Sobottke. Wer in dieser Zeit ein Junges findet, sollte zunächst schauen, in welchen Zustand es ist, ob sein Körper noch warm und unverletzt ist. Wenn es kalt sei sollte es mitgenommen werden und zum Tierarzt gebracht werden, riet Sobottka. Vorher sollte aber beobachtet werden, ob die Mutter ihr Junges zurück holt. Der Verein würde sich auch über Futterspenden freuen. Interessierte können sich an die ESA unter 0431/5929239.


Nächstes Jahr wird eine angehende Tierärztin nach Eckernförde kommen, um die Tiere ein Jahr lang zu beobachten. Anschließend wird die ihre Doktorarbeit darüber schreiben.

01. Dezember 2006

 

 

Größte Auffangstation für Findel-Eichhörnchen in Betrieb genommen (Kieler Nachrichten)


Von Christoph Rohde


Eckernförde - Eckernfördes Wappentier, das Eichhörnchen, wird in der Ostseestadt jetzt besonders umsorgt. Gestern eröffnete auf dem Gelände des Umwelt-Info-Zentrums (UIZ) die bundesweit größte Auffang- und Auswilderungsstation für Findel-Eichhörnchen.


Zehn possierliche Kletterkünstler toben bereits durch das Überwinterungs-Gehege. Sie waren aus dem Nest gefallen, von ihrer Mutter verlassen worden oder bei Abholz-Aktionen zu Schaden gekommen. Da die jungen Eichhörnchen selbst keine Nahrungsvorräte mehr anlegen konnten und so den Winter nicht überstehen würden, werden sie erst im kommenden Frühjahr ausgewildert.


"Die Chancen für eine erfolgreiche Auswilderung liegen bei weit über 90 Prozent", sagt Kay Sobottka, Vorsitzender und Gründer des Vereins Eichhörnchen-Schutz-Aktionsgemeinschaft (ESA), die die neue Auffang-Station betreibt. Bundesweit sind zurzeit rund 60 kleine Privatstationen unter dem Dach der ESA tätig, drei davon in Schleswig-Holstein. In den vergangenen zwei Jahren wurden insgesamt 1200 Findel-Eichhörnchen wieder aufgepäppelt und in die Freiheit entlassen.


Mit Eckernförde ist für Sobottka ein Traum in Erfüllung gegangen. "Das ist unser Vorzeigeprojekt." Bei der Stadt, in deren Wappen ein Eichhörnchen über die Burgzinnen hüpft, traf er auf offene Ohren. Sie stellte Grundstück und Baumaterial zur Verfügung. Der Aufbau der Gehege und ein Teil der Betreuung läuft über die Beschäftigungsgesellschaft ProRegio, gefördert durch die ARGE. Zunehmend werden auch ehrenamtliche Helfer aktiv.


Entstanden ist auf dem Gelände des Umwelt-Info-Zentrums am Noorwanderweg ein 50 Quadratmeter großes und vier Meter hohes Auswilderungsgehege mit 16 Schlafboxen. Fast fertig ist darüber hinaus ein doppelt so großes Gehege, in dem künftig in freier Natur nicht mehr überlebensfähige Eichhörnchen mit schweren Behinderungen auf Dauer gehalten werden können. "Oberste Prämisse", betont Sobottka, "hat bei uns aber die Auswilderung".


Eckernfördes stellvertretender Bürgermeister Georg Bicker freut sich über die Eichhörnchen-Station als neue Attraktion im Ostseebad. Vor allem Kinder könnten hier in Kontakt mit den Wildtieren kommen. Geplant sind demnächst Führungen und auch Schulklassen-Projekte. Kommendes Jahr wird hier außerdem eine Tierärztin ihre Doktorarbeit über das Verhalten von Eichhörnchen schreiben.

13. Juli 2006

 

 

Ein Herz für Eichhörnchen -

Große Auffangstation am Noor in Bau (Kieler Nachrichten)


Von Christoph Rohde


Sie sind niedlich, aber keine Haustiere: Ab Herbst sollen in Eckernförde Eichhörnchen-Findelkinder wieder aufgepäppelt und anschließend ausgewildert werden.


Eckernförde - Das Wappentier Eckernfördes bekommt jetzt eine besondere Heimstatt im Ostseebad. Der bundesweit tätige Verein Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft (ESA) richtet am Umwelt-Info-Zentrum mit Unterstützung von Stadt, der ARGE und ProRegio eine Auffangstation mit Auswilderungsgehege für Eichhörnchen ein.


Über 60 dieser Stationen gibt es bereits in Deutschland, in denen dieses Jahr rund 500 der possierlichen Nager betreut wurden. In Eckernförde seien die Voraussetzungen besonders günstig, freut sich der Kieler Kay Sobottka, Gründer und Vorsitzender der ESA. Hier entstehe ein einmaliges und sehr großes Projekt mit einem 100-Quadratmeter-Gehege um einen Kletterbaum herum sowie einem speziellen Auswilderungsgehege.


Auf dem Gelände am Noor sollen künftig aus dem Nest (Kobel) gefallene und von der Mutter nicht mehr angenommene Eichhörnchen-Babys aufgepäppelt und später ausgewildert werden. Behinderte Eichhörnchen, die in freier Wildbahn keine Chance mehr hätten, werden hier auf Dauer leben. Von dieser Hilfe, die für die ehrenamtliche ESA eine "ethische Frage" ist, profitieren auch andere.


Für die Stadt, die das Grundstück stellt, ist die Eichhörnchen-Station ein weiteres Angebots-Modul für die Gäste des Ostseebades. Zwar wird das Gehege nicht frei zugänglich sein. "Doch Führungen sind geplant", sagt Bürgermeisterin Susanne Jeske-Paasch, die die Anfrage der ESA unbürokratisch aufgriff. Schließlich gehe es hier um das Wappentier Eckernfördes.


Und für die ARGE tat sich ein neues Tätigkeitsfeld für Ein-Euro-Kräfte auf. Laut Leiter Norbert Jahn werden für den Gehege-Bau im Wechsel 25 arbeitslose Jugendliche und Erwachsene eingesetzt. Einer von ihnen ist der gelernte Tischler und Fensterbauer Manfred Hinz. "Eine feste Anstellung wäre mir natürlich lieber", gesteht der 47-Jährige. 200 Bewerbungen hat er losgeschickt, seit seine Werkstatt die Tore schließen musste.


Eingebunden in das Projekt ist auch ProRegio. "Wenn es um Beschäftigungsförderung und Umwelt- und Naturschutz geht, sind wir gerne mit dabei", sagt Lutz Oetker vom Trägerverein UTS. Vom Umwelt-Info-Zentrum aus, das ebenfalls unter dem UTS-Dach steht, soll die Station auch mit betreut werden. Die eigentliche Arbeit wird aber von der ESA selbst geleistet werden.


Dafür sucht Sobottka noch Ehrenamtliche, die sich nach einer Anleitung ernsthaft um die Eichhörnchen-Findelkinder kümmern wollen. "Es sind Wildtiere", stellt der Vereinsvorsitzende klar. Und in die freie Wildbahn sollen sie in der zwölften Lebenswoche auch wieder zurückkehren - zumeist mit gutem Erfolg. Voraussichtlich im Herbst geht die Eckernförder Auffangstation in Betrieb, in der bis zu 15 Eichhörnchen auf einmal betreut werden können.

24. März 2006

 

 

Ich bin kein Eichhörnchenmörder (Pinneberger Tageblatt)


Von Dietmar Vogel


Waren nun junge Eichhörnchen in den Kobeln (Nester) oder nicht? Diese Frage sorgte gestern Morgen am Halstenbeker Eschenweg für reichlich Gesprächsstoff und Aufregung. Während am Donnerstag in den Mittagstunden die Eichhörnchen-Schutzgemeinschaft mit der Nachricht an die Öffentlichkeit ging, dass morgens Jungtiere gefunden worden sein sollen, gab es am Abend nun doch Entwarnung: Die Nester waren leer.


Für Mike Sellmann, Chef der gleichnamigen Abholzfirma, begann der gestrige Tag alles andere als frohgelaunt. Er habe sich schon als Eichhörnchen-Mörder beschimpfen lassen müssen, sagte der Experte im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei hätten er und seine Mitarbeiter, bevor überhaupt "ein Baum gefällt wurde, alle Stämme gründlich auf Kobel mit möglichem Nager-Inhalt überprüft.". Fakt ist: Es wurden zwei, möglicherweise drei Nester gefunden. Die Überprüfung des Inhalts geschah in Gegenwart einer Tierschützerin. Die Bäume werden jetzt laut Sellmann vorsichtshalber bis Herbst geschont.


Doch woraus nähren sich die Widersprüchlichkeiten? Kay Sobottka von der Eichhörnchen-Schutzgemeinschaft bleibt bei seiner Behauptung, dass morgens in den Kobeln noch Jungtiere gewesen sein müssen. "In einem der Nester sollen ein, im anderen vier Jungtiere gewesen sein", so der Tierschützer. Das hätten die Arbeiter vor Ort vermutet, diesen Eindruck habe er auch während des Gesprächs mit Bauamtschef Holger Lange gewonnen.


Lange versuchte gestern, dass Wirrwarr aufzulösen. Am Donnerstagmorgen, gegen 8 Uhr, habe er mit den Mitarbeitern der Gemeindewerke gesprochen. Die hätten ihm bestätigt, dass in drei Bäumen je ein Kobel gefunden wurden. Daraufhin sei entschieden worden, zwei Bäume bis zum Herbst vorerst zu schonen. Der dritte, mit einem Riss versehene und damit einsturzgefährdete Stamm, werde zusätzlich mit Spanngurten gesichert. "Die Maßnahme dient dazu, die Blätter-Last im Sommer tragen zu helfen", so Lange.


Gegen 14.30 Uhr führte Holger Lange ein Telefonat mit dem Tierschützer Sobottka. Der habe sich zufrieden darüber geäußert, dass "die Gemeinde vorab die Bäume auf Kobel untersucht hat", beschrieb Lange gestern den Informationsaustausch. Gegen 14.45 Uhr anschließend habe eine Mitarbeiterin der Schutzgemeinschaft gemeinsam mit einem der Holzfäller die Bäume auf Kobel abgesucht.


Ob nun kleine Eichkater gefunden wurden oder nicht, darauf wollte sich Lange nicht festlegen: "Dass Jung-Eichhörnchen darin gewesen sein sollen, konnte nicht genau festgestellt werden, weil die Nester nicht optimal einzusehen waren."


Um die Gemüter zu beruhigen, stellte Sobottka gestern noch eine Theorie in den Raum: Es sei in der Natur der Sache, dass Muttertiere bei Gefahr ihre Jungen von einem Kobel in ein Ersatznest tragen.

20. März 2006

 

 

Im Eschenweg fallen die Eichen (Pinneberger Tageblatt)


Von Dietmar Vogel


18 Eichen, etwa 70 Jahre alt, säumen den Eschenweg in Halstenbek-Krupunder. Der Blick auf die Allee ist romantisch, hat Seltenheitswert. Doch damit wird voraussichtlich Schluss sein. Die Gemeindeverwaltung hat - unterstützt mit einer Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde (UN) in Pinneberg - beschlossen, dort zehn Eichen zu fällen. Rote Markierungen und Verkehrsschilder mit dem Hinweis auf eine Vollsperrung der Straße lassen keine Zweifel offen: Ab morgen knattern die Motorsägen. Ausdünnen ja, aber so? Die Anwohner sind entsetzt. Renate Friemann: "Der Eschenweg ist eine der schönsten Straßen in ganz Halstenbek. Wir leben hier seit Jahrzehnten. Mit Wacholder-Drosseln, Berg-Finken und Eichhörnchen." Das tägliche Vogel-Konzert fällt wohl demnächst aus. Der Nachbarfrieden ist gestört. Der Grund: Lediglich zwei Anwohner haben durch eine Eingabe an die Verwaltung erwirkt, dass der Umwelt-Ausschuss nach Prüfung durch einen Sachverständigen grünes Licht für die Aktion gegeben hat. "Ohne, dass der Rest der Anwohner überhaupt informiert worden war", empört sich Friemann. Das sei Demokratieverständnis nach Gutsherren-Art. Eine nicht hinnehmbare Nacht- und Nebel-Aktion, ist zu hören.


Dass Bäume fallen, wurde erst bemerkt, nachdem in der vorigen Woche die roten Striche angebracht worden waren. Flugs wurden Unterschriften von denjenigen gesammelt, die strikt gegen die Fäll-Aktion sind. In der Gemeindeverwaltung liegen jetzt zwei Listen von Interessengruppen vor: von Gegnern und Befürwortern. Grund genug, dass sich Waldemar Hagedorn, Garten- und Umweltexperte im Bauamt, noch einmal die Sachlage zur Prüfung vornahm. Doch es bleibt dabei: Die Bäume müssen weg. Holger Lange, Chef des Bauamts, begründet den Beschluss: Es gehe nicht darum, dass Laub die Anwohner stört, sondern um kranke Bäume mit Mangelerscheinungen sowie schlecht entwickelte Kronen. "Es soll ausgelichtet werden, um dem Rest bessere Lebenschancen zu geben", so Lange.


Kay Sobottka von der bundesweit agierenden Eichhörnchen-Schutzgemeinschaft in Kiel beobachtet die Aktion mit Argus-Augen: "Alle Kobel (Nistplätze) in den Bäumen müssen überprüft werden. Denn seit Mitte Januar sind die Tiere in der ersten Fortpflanzungsperiode. Werden Funde ignoriert, erfolgt eine Anzeige beim Staatsanwalt."


"Halstenbek - die Wiege des Waldes, das war wohl einmal." Auch Andreas Hampel aus dem benachbarten Erlenweg versteht die Welt nicht mehr. Er fragt sich: "Warum kann der Gemeinderat nicht eine neue, angekündigte, öffentliche Sitzung zu diesem Thema einberufen?" Dafür dürfte es jetzt zu spät sein.

18. März 2006

 

 

Wärmestube für Eichhörnchen (Hamburger Abendblatt)


Schutzverein: Ehrenamtliche pflegen gefundene Neugeborene. Im Frühjahr fallen oft Eichhörnchen aus ihren Nestern. Menschen sollten die Jungen aufnehmen. Von Laura-Lena Förster


Kiel - Jetzt ist wieder die Zeit, in der kleine Eichhörnchen geboren werden. Wenn im Frühjahr Bäume und Hecken geschnitten werden, kommt dabei auch mal ein Nest zu Fall. Für die Tiere kann das ein Todesurteil sein - muß es aber nicht. Kay Sobottka, Vorstandsmitglied der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft in Kiel, weiß , wie mit den Findelkindern umzugehen ist.


"Wer ein Eichhörnchenbaby findet, sollte auf keinen Fall weggehen", sagt Sobottka. Eichhörnchenmütter nehmen ihren Nachwuchs wieder an, wenn dessen Körper warm genug ist. Für den Finder bedeutet das: das Tier vorsichtig in die Hände nehmen und wärmen. Anders als bei Vögeln wirkt der menschliche Geruch auf Eichhörnchen nicht abschreckend. Ist es verletzt oder dem Eindruck nach schwach und ausgetrocknet, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Sind keine Verletzungen feststellbar und fühlt es sich wärmer an als menschliche Haut, kann es wieder an die Fundstelle zurückgesetzt werden. Dann heißt es abwarten: Wenn die Mutter es nach einer Wartezeit von 30 Minuten bis drei Stunden, abhängig von Wetter- und Gefahrenlage, nicht abholt, hat das Tierchen nur noch eine Chance: Der Finder muß es in einer Auffangstation abgeben oder mit nach Hause nehmen.


Wer es dort selbst aufziehen möchte, den erwarten aufregende Wochen. "Das ist eine sehr komplizierte und aufwendige Angelegenheit", sagt Eichörnchenschützer Sobottka. Was bei Schwierigkeiten zu tun ist, erklären die Mitglieder der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft über ihr Notfalltelefon, das rund um die Uhr, auch am Wochenende, besetzt ist. Besser ist es, das Tier gleich einer Auffangstelle zu übergeben. Mehr als 60 hat der Verein seit seiner Gründung vor zwei Jahren bundesweit eingerichtet. 2005 wurden 435 Findel-Eichhörnchen abgegeben. Anne-Kathrin Hirsch, die die Hamburger Station allein betreut, hat 50 Tiere versorgt, zu Höchstzeiten 19 - eine absolute Überforderung. Im Norden gibt es weitere Stationen in Kiel, Lübeck und Cuxhaven. "Die werden bald auch so viel zu tun haben, wenn die Hamburger Station möglicherweise schließt", sagt Sobottka. Der Verein sucht deshalb Menschen, die mitarbeiten oder das Netzwerk unterstützen wollen.

08. März 2006

 

 

Grauer Nager vertreibt rotes Eichhörnchen (Kölnische Rundschau)


Britisches Umweltministerium will Eindringlinge töten - Tierschützer für Verhütungsmethode


Von Jochen Wittmann


LONDON. Es sieht ja nett aus. Aber hinter der possierlichen Fassade steckt ein "Umweltvandale", der zudem vor scheinbar nichts zurückschreckt, um seine Konkurrenten zu bekämpfen. Die Rede ist vom Grauhörnchen (Sciurus carolinensis), dem amerikanischen Verwandten des roten Eichhörnchens (Sciurus vulgaris), das vor rund 130 Jahren ins Königreich kam und sich mittlerweile sämtliche Sympathien verscherzt hat. Das britische Umweltministerium will jetzt eine Keulung unter dem Grauhörnchenbestand organisieren: Es gehe um das Überleben des einheimischen Eichhörnchens.


Denn der graue Eindringling aus Nordamerika hat mittlerweile fast ganz England und Wales kolonisiert, und vertreibt die einheimischen Hörnchen. Nur noch in Schottland und auf einigen Kanalinseln gibt es nennenswerte Bestände von roten Eichkätzchen, mittlerweile kommen auf ein rotes immerhin 66 Grauhörnchen. Das liegt nicht nur daran, dass der amerikanische Vetter kräftiger gebaut ist und im Nahrungskampf dem einheimischen Nager das Futter stiehlt. Ein weit infamere Waffe setzt das Grauhörnchen ein: Es ist Träger des Parapoxi-Virus, das ihm selbst nicht schadet, aber für die roten Eichkätzchen tödlich ist.


Darüber hinaus ist Sciurus carolinensis ein rechter Umweltvandale. Die "Initiative für die europäischen Eichhörnchen (ESI), eine britische Pressure-Group, die sich die Vernichtung des Grauhörnchens zum Ziel gesetzt hat, listet seine Verbrechen auf: Es verursache irreparablen Schaden an Laub- und Nadelbäumen, stehle Eicher aus Vogelnestern und halte sich an Jungvögeln schadlos, richte Schaden in Obstgärten an, würde elektrische Kabel zernagen und - Europa, erwache! - drohe, in die "großen Wälder von Norditalien, Frankreich und der Schweiz" einzufallen.


Besonders die Gefahr für den heimischen Eichkätzchenbestand hat die britische Regierung alarmiert, die zu drastischen Mitteln greifen will: Mit einer umfassenden Tötungsaktion soll die Zahl der Grauhörnchen besonders dort stark reduziert werden, wo sie in Kontakt mit den verbliebenen roten Hörnchen kommen könnten. Das "Schutzprogramm" läuft über drei Jahre, gab der für Artenschutz zuständige Staatssekretär Jim Knight bekannt, vor allem wolle man Gift einsetzen. Dass die Situation schwierig ist, sieht auch die deutsche Eichhörnchen-Schutz-Aktionsgemeinschaft (ESA), doch das praktizierte brutale Erschlagen der Tiere sei vollkommen inakzeptabel. Die ESA setzt vielmehr auf das Ausstreuen von speziellen Verhütungsdrogen. Doch das britische Landwirtschaftsministerium hat Bedenken. Es sei nicht hundertprozentig sicher, dass die Sterilisierungsmittel nicht auch die Vermehrung der roten Hörnchen beeinträchtigen würden.

14. Januar 2006

 

 

"Dann sterben die Eichhörnchen" (Landeszeitung)

Auffangstation für Tiere in Not steht vor dem Aus


Anne-Kathrin Hirsch mit einem ihrer Schützlinge. Sie kümmert sich um Eichhörnchen in Not. Doch jetzt fürchtet sie um ihre Arbeit.


geo Lüneburg/Harburg. Moses dreht vor seinem Mittagsschlaf noch einmal richtig auf: Forsch springt er dem Besucher auf die Schulter, nagt neugierig an dessen Reißverschluss: Dem flinken Eichhörnchen geht es wieder prächtig - doch wüsste Moses, wie es um sein Zuhause steht, würde er nicht so fröhlich herumspringen: Die Eichhörnchen-Auffangstation von Anne-Kathrin Hirsch in Harburg steht vor dem Aus. Auch aus Lüneburg kamen "Patienten".


"Die nächste Einrichtung ist in Kiel", erzählt die 45-Jährige, "rund um Hamburg bin ich die Einzige, die sich um in Not geratene Eichhörnchen kümmert." Sie erinnert sich noch gut an ihre Lüneburger Findelkinder: "2004 hatten Kinder ein gefundenes Eichhörnchen wie ein Haustier ins Baumhaus gesperrt und wollten es nur für eine Urlaubsreise bei mir abgeben", erzählt Hirsch. "Das geht natürlich nicht, es sind Wildtiere, die müssen in die freie Natur, sonst drehen sie durch. "Ein anderes Mal fanden Lüneburger Kinder ein Baby-Hörnchen auf dem Bürgersteig. Die Mutter informierte sich bei der Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft, fütterte das Tier mit "Humana"-Milch, umsorgte es über Nacht, brachte es am nächsten Tag zu Hirsch. Die päppelte es auf, nun flitzt es durch die Schwarzen Berge.


Doch jetzt weiß die Eichhörnchen-Pflegerin nicht mehr, wohin mit ihren Teilzeitzöglingen: Zu März hat ihr Vermieter das Haus wegen Eigenbedarf gekündigt. Sie will zwar versuchen, bis April bleiben zu dürfen - "vorher ist es zu kalt, die Tiere auszuwildern" - , dann ist es vorbei mit der Eichhörnchen-Auffangstation. Ein neues Domizil zu finden sei schwer, "die meisten Vermieter wollen ja schon keine Haustiere".


Seit vier Jahren wohnt die gelernte Grafikerin am Rande der Schwarzen Berge. "Im August 2004 fiel mir das erste Hörnchen vor die Füße", erinnert sich die 45-Jährige. Gerade mal ein paar Tage alt. "Ich dachte erst, das wäre eine Ratte." Anne-Kathrin Hirsch nahm den Säugling auf, fragte die Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft in Kiel um Rat. Die halfen ihr, und nach Wochen schlafloser Nächte - die Tierbabys müssen alle drei Stunden gefüttert werden - hatte sie den Nager über den Berg. "Der Rest war irgendwie ein Selbstläufer, ich wurde Mitglied bei der Aktionsgemeinschaft, baute ein Gehege, machte meine Aufzuchtstation auf."


Rund 50 Hörnchen hat Anne-Kathrin Hirsch 2005 das Leben gerettet, sie aufgenommen, aufgepäppelt und wieder ausgewildert. "Wenn ich dicht mache, dann sterben die Tiere", sagt sie traurig. Sie hofft, einen Vermieter zu finden, der nichts gegen ihre Eichhörnchen hat. "Behalten will ich die Tiere ja nicht", betont sie.


Januar 2006

 

 

Eichhörnchen - Zukunft hinter Gittern? (Dogs4life - Das Tierschutzforum)


Von Kay Sobottka, ESA e.V.


Eichhörnchen - unbestritten die elegantesten Wildtiere; sie ziehen uns staunend in ihren Bann. In vielen Menschen keimt daher der Wunsch, solch ein Tier aus der Nähr zu erleben und es streicheln zu können. Für all das haben wir Verständnis, aber Eichhörnchen sind auch Wildtiere, mit einem extremen Bewegungstrieb versehen und so haben wir kein Verständnis für Menschen, die sich diese Wünsche erfüllen wollen, indem sie Eichhörnchen vom Züchter kaufen oder sogar der Natur entnehmen. Motivation für eine Eichhörnchenhaltung ist aber oft auch, dass man sich vom "gemeinen" Hunde-, Katzen- oder Meerschweinchenhalter abheben oder deren Bewunderung erwerben möchte, denn ein Eichhörnchen ist tatsächlich schon etwas Besonderes.


Die Gefangenhaltung eines oder mehrerer Eichhörnchen ist aber grundlegend anders als man es von unseren Haustieren gewohnt ist und um eine einigermaßen qualfreie Unterbringung gewährleisten zu können verlangt es Maßnahmen, die vom "Normalbürger" kaum erbracht werden können. Im Käfig gehalten, wird das Eichhörnchen durch seine Instinkte, sein arteigenes Verhalten - welsches sich im übrigen nicht "wegzüchten" lässt - und seine physischen Bedürfnisse dazu gebracht, Stereotypien wie stundenlanges Hin- und Herlaufen oder im Kreis rennen oder aber den ganzen Tag im Nistkästchen zu verbringen, auszuführen. Dazu können schwerwiegende Technopathien (haltungsbedingte Schäden wie z.B. abgefressene Schwänze etc.) auftreten.


Spätestens ab einem Alter von 11 Wochen zeigen die Tiere einen Bewegungsbedarf, dem keinesfalls durch die Haltung in einer Voliére von 3 qm (vorgeschriebenes Mindestmaß) Genüge getan werden kann. Auch die von Züchtern hoch gelobten Laufräder sind ungenügend und nicht artgerecht. Eine dauerhafte Haltung im Käfig oder Gehege führt zur körperlichen und geistigen Verkümmerung mit all den dazugehörigen, lang anhaltenden Leiden dieser intelligenten, bewegungsfreudigen Tiere und ist unbestreitbar Tierquälerei.


Nach unseren Erfahrungen sind über 95 % aller privat gehaltenen Eichhörnchen nicht nach den Kriterien des Tierschutzgesetzes (§ 2) untergebracht. Wenn diese Tiere schon eingesperrt sein müssen, da dies ein egoistischer Mensch so beschließt, dann sollten die Eichhörnchen, um sich einigermaßen artgemäß bewegen zu können, ein Freigehege von mindestens 30, besser noch 50 Quadratmeter, bei einer Höhe von mindestens 3 m zur Verfügung haben. Allerdings, was ist selbst ein solches Gehege gegen einen 30 Meter hohen Baum, den diese Tiere draußen erklimmen könnten...


Wo keine Nachfrage ist, gibt es keinen Verkauf. Doch aufgrund der Nachfrage gibt es genug Züchter, die Eichhörnchen für 40 bis 80 Euro zum Verkauf anbieten. Zu einem großen Teil im Internet und sogar per Versand!


Viele dieser Zuchten sind illegal, da für das europäische Eichhörnchen ein Besitz- und Vermarktungsverbot nach dem Bundesnaturschutzgesetz besteht. Aber es gibt auch legale Zuchten. Dies ist dann der Fall, wenn es sich um ausgewiesene Zuchthörnchen handelt und die unter ganz besonderen Umständen erteilten Ausnahmegenehmigungen der zuständigen Behörde vorliegen. Um die Eichhörnchen besonders zahm zu bekommen, werden sie frühstmöglich von der Mutter getrennt und mit der Hand aufgezogen. Das kommt gut an beim "Eichhörnchenfreund". Junge Eichhörnchen kommen mit kleineren Gehegen noch gut zurecht und der Züchter ist sich natürlich ganz sicher, dass die Tiere in ihrem Käfig mit Laufrad und zwei oder drei Meter hohen Ästen glücklich sind... - Die Erde ist eine Scheibe: Ein Blick auf frei lebende Eichhörnchen beantwortet diesen Nonsens.


Übrigens, gern behaupten Züchter auch, das arteigene Verhalten ließe sich "wegzüchten" und "Zuchthörnchen" seien ganz anders als Wilde. Auch das ist Unfug und reines Wunschdenken. Wie bereits erwähnt, entwickeln die Eichhörnchen ab der 11. Woche einen enormen Bewegungsdrang. "Besitzer", die diese Tiere illegal in der Wohnung halten, die dann von den Eichhörnchen zu großen Teilen zerstört wird, kommen mit der Situation nicht zurecht und setzen ihre Tiere von der Wohnung direkt in die Natur aus, ohne dass sie ausreichend auf das Leben dort vorbereitet worden sind. Oder aber die Tiere sind bei den Besitzern lebenslang in der Wohnung in einem engen Käfig eingepfercht.


Nahezu grotesk ist es, dass sich diese Menschen selbst oft auch noch als Tierfreunde oder Eichhörnchenfreunde bezeichnen. Unter diesem Deckmäntelchen füllen sie ganze Webseiten und helfen anderen, ihrem "Hobby" zu frönen.

16. Juni 2005

 

 

Eichkatzl im Hormonrausch (Münchner Merkur)


Von Ludwig Simeth


Rosenheim/Holzkirchen - "Halbstarke" Eichhörnchen im Hormonrausch machen derzeit offenbar den Bäumen in Bayerns Wäldern zu schaffen. Förster und Jäger beobachten, dass die kleinen Nager die Leittriebe von Bäumen abzwicken. Was Fachleute bereits in Revieren im Kreis Miesbach entdeckt hatten (wir berichteten), wird nun auch im Raum Rosenheim beobachtet.


Nüsse knacken können sie. Das weiß jedes Kind. Aber mit ihren scharfen Zähnen stellen die putzigen Eichhörnchen auch andere Dinge an. Derzeit groß in Mode ist es bei den Nagern, den Bäumen die Gipfeltriebe abzubeißen. Gerade im Dreieck zwischen Rosenheim, Wasserburg und Bad Endorf wird vermehrt Verbiss in Höhen von bis zu sechs Metern gemeldet, der natürlich unmöglich von Schalenwild stammen kann. "Seit ein paar Monaten sind die Eichhörnchen tatsächlich ein Thema. Das gab es noch nie", bestätigte Georg Kasberger, Chef des Forstamtes Wasserburg, eine völlig neue Entwicklung in den heimischen Wäldern. Eine Erklärung dafür hat er allerdings nicht: "Möglicherweise hat der Bestand an Eichhörnchen deutlich zugenommen. Aber das festzustellen, übersteigt die Möglichkeiten eines Forstamtes." Besonders folgenschwer ist es, wenn sich die Eichhörnchen auf Jungbäumen austoben. Der Baumnachwuchs kommt nicht wie gewünscht in die Höhe, wenn der Leittrieb abgefressen ist. "Der Verlust des Gipfeltriebs kann dazu führen, dass der Baum Ersatztriebe bildet und der Waldbauer, auf empfindlichen Schäden sitzen bleibt", erklärt Frank Kroll vom Bayrischen Landesamt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) in Freising.


Josef Graf aus Söchtenau kann ein Lied davon singen. In einem Waldstück mit 50 Jungbäumen wurde genagt und gezwickt, dass sich die Gipfeltriebe bogen. "Bei drei von vier Bäumen ist die Spitze weg", so der Waldbauer. Er ist fest davon überzeugt, dass die Bisse tatsächlich auf das Konto der Eichhörnchen gehen und fügt das auf "Übersprungs- und Aggressionsverhalten halbwüchsiger Tiere" zurück - vergleichbar mit wild herumspringenden Pferden, die auf diese Art ihre überschüssigen Kräfte los werden. Unternehmen kann man gegen die Attacken nichts, denn das Eichkatzl steht unter Artenschutz. Doch das LWF ist besorgt. Kroll: "Es scheint sich um ein oberbayernweites Phänomen zu handeln."


Mehr zum Eichhörnchen im Internet unter www.eichhoernchen-schutz.de

10. Juni 2005

 

 

Immer auf dem Sprung (HÖRZU)


Noch lebt es sich ganz gut in den Grünanlagen für unser Eichhörnchen. Doch ein starker Artgenosse aus Amerika könnte ihm bald gefährlich werden.


Blitzschnell rasen zwei rötliche Fellbündel in Spiralen den Baumstamm hinauf, halten plötzlich inne, belauern einander - und weiter geht die schwindelerregende Jagd. Das wilde Versteckspiel, das derzeit in vielen Grünanlagen zu bestaunen ist, gehört zur Balzzeremonie der Eichhörnchen. Nach erfolgter Paarung - die diskret im Kobel, dem Nest des Weibchens stattfindet - ist abrupt Schluß mit der Zweisamkeit, und die notorischen Einzelgänger turnen wieder allein durch die Wipfel. Dabei könnten sie bald auf einen unliebsamen Verwandten treffen: das amerikanische Grauhörnchen. In Großbritannien hat man mit dem Nager-Import bereits böse Erfahrungen gemacht: Dort setzten Ende des 19. Jahrhunderts Heimkehrer aus Amerika einige mitgebrachte Grauhörnchen aus. Die robusten Vettern aus Übersee entpuppten sich als überlegene Konkurrenten: Größer, stärker, vermehrungsfreudiger und flexibler als die heimischen Hörnchen, okkupierten sie im Nu deren Lebensraum und zerstörten zudem den Mischwald. Als man die Invasoren 1930 zur Plage erklärte, war es bereits zu spät. Zumal ein von den Grauen eingeschlepptes und für die Roten tödliches Virus die fatale Entwicklung noch beschleunigte. Heute leben die letzten 30 000 roten Eichhörnchen im Norden der Insel. Ohne Hilfsprogramme wird die Art laut Experten 2012 in England ausgestorben sein. Gefahr droht auch in Irland, Wales und Schottland, wo die Schlacht Grau gegen Rot noch tobt. Die Welt-Naturschutz-Union IUCN reagierte darauf, indem sie das rote Eichhörnchen 2001 zu einer "in naher Zukunft bedrohten Tierart" erklärte - was angesichts der hiesigen Populationsdichte zunächst absurd erscheint. Die starke Verbreitung der quirligen Kobolde hat mit den hervorragenden Lebensbedingungen zu tun: Ursprünglich reine Waldtiere, haben sich die in Europa und im nördlichen Asien beheimateten Kletterkünstler zu Kulturfolgern entwickelt, die die Nähe des Menschen suchen.


Anders als in den oft monokulturell aufgeforsteten Wäldnern finden sie in Gärten und Parks, auf Friedhöfen und Obstplantagen ein wahres Schlaraffenland an Früchten, Nüssen, Knospen und Samen. Überfluß, der tolerant macht: Beanspruchen die ungeselligen Nager in der Wildnis ein Revier von mehreren Hektar, dulden sie im städtischen Raum eine deutlich engere Nachbarschaft. Hier verlieren die Eichkater, wie die Tiere wegen der winterlichen Ohrpinsel genannt werden, sogar die Scheu vor dem Menschen - zumal wenn der sie füttert. Dort, wo sich die Nesträuber allzusehr vermehren, können sie jedoch den Bestand an Singvögeln gefährden.


Eine weitaus größere Bedrohung für unsere Umwelt stellt indes der Konkurrent aus den USA dar: Seit 2001 zählt die IUCN das Grauhörnchen zu den 100 schlimmsten invasiven Spezies. Das sind Tiere oder Pflanzen, die in ihrer Heimat ins Ökosystem gehören, jedoch in einer anderen Fauna oder Flora alteingesessene Arten schädigen oder gar verdrängen. In unserer globalisierten Welt nimmt eine solche Einschleppung fremder Spezies dramatisch zu. Laut Dietrich Jelden, Abteilungsleiter Artenschutzvollzug beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), eines der dringendsten Probleme des Artenschutzes.


Weitere Informationen zum Eichhörnchen im Internet unter www.eichhoernchen-schutz.de

26. April 2005

 

 

Ein Herz fürs Wappentier (Kieler Nachrichten)


Das Eichhörnchen ist Sympathie-Träger und eines der bekanntesten heimischen Nagetiere.


Eckernförde - Als Wappentier ist es in Eckernförde überall präsent: Das Eichhörnchen springt über den offiziellen Schriftzug "Ostseebad Eckernförde", hopst über die Burgzinnen des historischen Stadtwappens und posiert im Schwimmring als Wellenbad-Maskottchen "Ecki". Jetzt könnte der possierliche Nager auch live ein Erlebnis werden: Geplant ist eine Auswilderungsstation in der Eichhörnchen-Stadt. Den ersten Anstoß gab der Eckernförder Geschäftsmann Rüdiger Behn, als er die in Kiel ansässige Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft (ESA) auf das Wappentier des Ostseebades hinwies. Bei Bürgermeisterin Susanne Jeske-Paasch, die zum Gespräch einlud, traf der Verein auf offene Ohren. Und der städtische Umwelt-Experte Michael Packschies erhielt den Auftrag, ein mögliches Garten-Areal für die Unterbringung einer Auswilderungsstation zu erkunden. Hintergrund: Die Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft baut ein Netzwerk privater Auffang-Stationen (bundesweit zurzeit 32) auf, damit so genannte Findelkinder - aus dem Nest gefallene oder verletzte Jung-Eichhörnchen - aufgepäppelt und dann wieder in die freie Natur entlassen werden können. "Die Jungtiere sterben schnell bei falscher Behandlung", weiß der Vorsitzende Kay Sobottka. Bei richtiger Pflege ist die Überlebenschance hingegen groß. Oberster Grundsatz des Vereins bleibt die Auswilderung. Denn: "Eichhörnchen sind Wildtiere."


Bundesweit wurden vergangenes Jahr über die ESA rund 200 Tiere ausgewildert. Allein in den vergangenen zwei bis drei Wochen sind über 90 Findelkinder gemeldet worden. Wer ein aus dem Nest gefallenes Eichhörnchen-Junges findet, sollte laut Sobottka zunächst den Zustand begutachten und dann abwarten, ob die Mutter es zurückholt. Ist dies nicht der Fall, sollte das Tier warm gehalten und zum Tierarzt gebracht werden. Bei der weiteren Betreuung hilft die ESA (Notruf-Telefon Tel. 0700/463762436, Internet: www.eichhoernchen-schutz.de).


Eine Auswilderungsstation würde gut ins Bild der Umweltstadt Eckernförde passen, ist nicht nur Bürgermeisterin Jeske-Paasch überzeugt. Auch für Claus Müller vom Verein zur Förderung der Umweltbildung steht fest: "Das wäre eine tolle Sache." Geplant ist eine Kooperation mit dem Umwelt-Info-Zentrum (UIZ). Verhandlungen für ein Gartengrundstück in unmittelbarer Nähe sind bereits angelaufen. Die Stadt würde das Grundstück stellen, die Dauerbetreuung die ESA durch ehrenamtliche Mitstreiter sichern. Über das UIZ soll die Station zu bestimmten Zeiten auch offen für Besucher sein.


Einst, sagt die Legende, war der Wald zwischen Eckernförde und Kiel so dicht, dass ein Eichhörnchen - ohne den Boden zu berühren - von einer Stadt zur anderen gelangen konnte. Heute ist das geschützte Pelztier in Eckernförde nicht mehr so häufig anzutreffen. "Es gibt hier noch frei lebende Eichhörnchen, wir könnten aber ein paar mehr vertragenen", so Umwelt-Experte Packschies. Sein Rat für alle Hörnchen-Freunde: Gebüsch und hochstämmige Bäume im Garten kommen dem gewandten Kletter-Maxe entgegen.

23. April 2005

 

 

Klettern auf den Ersatzeltern (Lübecker Nachrichten)


Neugierig äugt Elvis von einem Bord unter der Decke nach unten, dann springt er auf die Teppichrolle, die diagonal durch Zimmer verläuft und nähert sich in kleinen Sprüngen seiner Pflegemutter Tanja Heinath, die mit einer flüssigen Futtermischung auf ihn wartet. Elvis zögert nicht, legt eine Pfote um die Plastikspritze und trinkt. Elvis ist eines von drei jungen Eichhörnchen, die derzeit bei Tanja Heinath (32) und Kay Sobottka (36) heranwachsen. Sie sind von Spaziergängern gefunden und hier abgegeben worden, denn für kleine Eichhörnchen, die aus dem Nest gefallen sind, ist das Haus in Kiel erste Adresse in der Stadt. Hier werden sie aufgepäppelt, dann vom Dachzimmer in ein Außengehege im Garten verlegt und im Alter von etwa zwölf Wochen wieder ausgewildert.


m vergangenen Frühjahr nahmen Tanja Heinath und Kay Sobottka die ersten Jungtiere auf (wir berichteten), gründeten kurze Zeit später einen Verein, die Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft (ESA), und weil sie über das Internet warben, stand das Telefon bald nicht mehr still. "Aus allen Teilen Deutschlands riefen uns Leute an, die junge Eichhörnchen gefunden hatten", erzählt Kay Sobottka, der die Anrufer ermutigte, dem Verein beizutreten und eigene Auffangstationen aufzubauen. Die beiden Gründer erklärten ihnen, was zu tun ist, und es funktionierte: 35 solcher Stationen gibt es inzwischen in Deutschland, außerdem zwei in Österreich, eine in der Schweiz und eine in Liechtenstein. Und meistens sind es kurzerhand mit Kletterbäumen und Schlafhöhlen ausgestattete Zimmer oder Innengehege und dazu Freigehege im Garten. So konnten bislang fast 200 junge Eichhörnchen gerettet werden, allein dieses Jahr sind bereits etwa 100 vermittelt worden. "Und die Saison", sagt Kay Sobottka, "hat gerade erst begonnen."


Bei der Aufzucht junger Eichhörnchen muss man auf vieles achten: Anfangs müssen sie alle drei Stunden mit Wasser, Katzenaufzuchtsmilch, angemischt mit Fencheltee und anderen Zutaten gefüttert werden, danach muss ihnen der Bauch massiert und ihr Harnausgang stimuliert werden, weil sie sonst nicht urinieren und an einer Urinvergiftung sterben würden. Sie brauchen viel Wärme und den Kontakt zu den Ersatzeltern, die sie dann, sobald sie laufen können, als Kletterbaum benutzen. Dabei kratzen sie, beißen auch schon mal. "Schmusetiere sind das nicht", sagt Tanja Heinath. Dann ist bald die Zeit gekommen, sie im Außengehege an das richtige Leben zu gewöhnen. Nach zwei Wochen wird das Tor dann geöffnet. Ein paar Mal kehren die Eichhörnchen noch zurück, dann verlieren sie die Bindung.


Doch nicht nur für die Rettung junger Eichhörnchen setzt der Verein sich ein, sondern auch gegen den illegalen Handel dieser zu den besonders geschützten Arten zählenden Tiere - und: neuerdings außerdem für die Verbesserung der Haltungsbedingungen von Nerzen, Chinchillas, Füchsen und anderen Wildtieren, die ihrer Pelze wegen in engen Käfigen auf Farmen gezüchtet werden.


Wer verwaiste Eichhörnchen findet, kann sich an die Notrufnummer 0700/463762436 wenden. Kontakt zur ESA: Tel. 5929239; Internet: www.eichhoernchen-schutz.de.

31. Juli 2004

 

 

Ein Herz für Eichhörnchen: Waisen-Babys brauchen Hilfe (Lübecker Nachrichten)


Flink und frech flitzen sie über Straßen oder klettern auf Baumstämmen empor. Doch immer wieder fallen Jungtiere aus ihrer Wohnstube, dem Kobel - etwa wenn Bäume gefällt werden. Zwei Kieler haben aus der Not, ein Waisen-Baby gefunden zu haben, eine Tugend gemacht. Mit der Gründung einer Aktionsgemeinschaft zum Schutz von Eichhörnchen haben sie das erste bundesweite Netzwerk von Aufzuchtstationen organisiert. Die beiden Tierfreunde geben Tipps zum Füttern und Auswildern.


Schon Kinder lieben das sympathische Eichhörnchen, das über Baumwipfel fegt wie ein geölter Blitz. Um Waisen-Babys zu retten und illegalen Tierhändlern das Handwerk zu legen, gründeten zwei Kieler jetzt die bundesweit erste "Eichhörnchen-Schutz-Aktionsgemeinschaft". Ihr "Eichhörnchen-Aha-Erlebnis" hatte Tanja Heinath vor einem Jahr beim Joggen: "Ich bemerkte plötzlich ein Jungtier, das auf dem Boden hockte. Blut lief aus seiner Nase", erzählt die 31-jährige Erzieherin mit einem Herz für Tiere. "Ich musste helfen, doch wie?" Der Tierarzt offenbarte der Kielerin, dass sie die nächsten Wochen Ersatz-Mama für das sechs Wochen alte Hörnchen spielen müsse. Sonst habe das hilflose Fellbüschel keine Überlebens-Chance.

So begann das Engagement der Tier-Finderin und ihres Lebensgefährten Kay Sobottka: Inzwischen haben sie 15 Fundhörnchen erfolgreich ausgewildert und ein bundesweites Netzwerk von Eichhörnchen-Aufzuchtstationen organisiert. Denn Tanja Heinaths Findelkind war kein Einzelfall. "Immer wieder fallen Jungtiere aus dem Kobel, der Wohnstube der Eichhörnchen - etwa wenn Bäume gefällt werden", erzählt der 35-jährige Web-Designer. Täglich gehen etwa fünf Anrufe von Eichhörnchen-Findern bei der Kielern ein. "Doch nur wenige Leute wissen, wie man die Kümmerlinge aufpäppelt und auswildert."

Weil das eine nicht ganz einfache und vor allem zeitintensive Aufgabe ist, trimmten die Tierfreunde ihr Reihenhaus ganz auf Eichhörnchen: Ein Zimmer gehört allein den Findlingen, die hier auf Ästen klettern und in einer Schlafecke vom künftigen Baum-Paradies träumen können. Hier leben die Babys bis zur 9. Lebenswoche, lassen sich durchkraulen und mit einer speziellen Aufzuchtsmilch füttern - anfangs alle drei Stunden, auch nachts.

Doch irgendwann geht das Schmusen in Beißen und Kratzen über, musste der Kieler schmerzhaft erfahren: "Dann entwickeln die Eichhörnchen einen enormen Bewegungsdrang." Deshalb haben die Tierfreunde im Garten ein großzügiges Gehege gezimmert und ein Gartenhaus nach Hörnchen-Art eingerichtet. Hier können sich die gestärkten Tiere vor der Auswilderung an die natürliche Umgebung gewöhnen.

Den anfangs engen körperlichen Kontakt müssen die Zieheltern nach der 9. Lebenswoche aufgeben, um den Wildtieren die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. "Schließlich wollen wir nicht, dass sie sich auf den Menschen fixieren", sagt Tanja Heinath. Der schwerste Schritt folgt nach der 12. Woche: Die Gehegetür öffnet sich und die stramm gepäppelten Freunde mit den Pinsel-Ohren drängt es in die Freiheit. "Dann fließen bei uns jedes Mal die Tränen".


Entsetzt reagierten die Kieler, als sie bei Recherchen herausfanden, dass illegale Züchter mit den geschützten Eichhörnchen im Internet handeln. Dagegen geht die Schutz-Aktionsgemeinschaft strikt vor und setzt Polizei, Forstverwaltung und Staatsanwalt in Bewegung. Sobottka: "Bisher haben wir etwa 15 Verfahren gegen diese Händler erreicht." Statt die Tiere mit dem Bewegungsdrang in Käfige zu sperren, raten die Kieler: Beobachten Sie Eichhörnchen lieber in der Natur. Und bringen Sie ihnen im Winter Nüsse mit." wel

31. Juli 2004

 

 

Heim für verwaiste Eichhörnchen - Kieler gründeten "Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft": Aufzucht und Kampf gegen illegalen Handel


Von Thomas Eisenkrätzer


Kiel - Wenn jung Eichhörnchen aus ihrem Nest fallen, sind sie meist dem Tode geweiht. Selbst, wenn Menschen sie finden, ist ihre Überlebenschance gering. Helfen kann in solchen Fällen die "Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft" die zwei Kieler in diesem Jahr gründeten und die sich auch im Kampf gegen die illegale Zucht und den Handel mit den geschützten Tieren engagiert. Es war vor drei Wochen, als Sören Petersen (Name auf Wunsch geändert) der Hilferuf eines ehemaligen Kollegen erreichte. Beim Fällen einer Tanne war ein Eichhörnchennest - ein Kobel - übersehen worden. Vier junge Eichhörnchen lagen blind, zitternd und hilflos - am Boden, die Mutter ließ sich nicht mehr blicken. Petersen, der in seinem Reihenhaus in Elmschenhagen, Chamäleons und Mäuse hält, musste nicht lange überlegen, nahm die Tiere bei sich auf. Doch was nun? Er rief in Tierheimen und Zoos an; keiner konnte ihm weiterhelfen; erst im Wildpark Eekholt erreichte er einen Tierpfleger, der ihm Tipps zur "ersten Hilfe" gab. Und im Internet stieß er dann auf die Homepage der "Eichhörnchen Schutz Aktionsgemeinschaft" in Kiel. Kaum hatte er deren Notfalltelefonnummer gewählt, da waren die Tierschützer auch schon bei ihm zu Hause - das Überleben der vier Jungen war gesichert.


Tanja Heinath (31) und Kay Sobottka (35) heißen die Begründer dieser Aktionsgemeinschaft, die inzwischen bundesweit Mitglieder hat. Mit der Aufzucht verwaister Eichhörnchen kennen sie sich aus; im vergangenen Jahr haben sie selbst vier Jungtiere großgezogen, die aus dem Kobel gefallen waren oder Opfer von Baumfällaktionen wurden. Daraus ist nun eine Lebensaufgabe geworden: In ihrem Haus in Neumühlen-Dietrichsdorf ist ein Zimmer komplett für Eichhörnchen eingerichtet: eine Schlafecke, Äste zum Klettern, ein altes Holzregal für die Zeit im Hause. Und im Garten steht ein großes Freigehege mit einer Holzhütte für die spätere Auswilderung. Tanja Heinath und Kay Sobottka sind also aufnahmebereit.


Weil ihre Kapazitäten aber begrenzt sind, freuen sie sich über Menschen wie Sören Petersen, die selbst die Aufzucht übernehmen. Da ist es für sie selbstverständlich, dass sie jederzeit vorbeikommen, wenn sie gebraucht werden. Denn die Erzieherin und der Webdesigner wissen, dass verwaiste Eichhörnchenbabys ebenso anstrengend sind wie kleine Kinder.


Anfangs müssen sie alle drei Stunden mit Wasser, Katzenaufzuchtsmilch, angemischt mit Fencheltee und anderen Zutaten gefüttert werden, danach muss man ihnen den Bauch massieren und ihren Harnausgang stimulieren, weil sie sonst nicht urinieren und an einer Urinvergiftung sterben würden. Sie brauchen viel Wärme und den Kontakt zu den Ersatzeltern, die sie dann, sobald die laufen können, als Kletterbaum benutzen. Dabei kratzen sie, beißen auch schon mal. "Schmusetiere sind das nicht", sagt Tanja Heinath.


Dann ist bald die Zeit gekommen, sie im Außengehege an das Leben draußen zu gewöhnen - und zwei Wochen später öffnet sich ihnen das Tor zur Freiheit. Für höchstens zwölf Wochen sind die Tiere dann bei ihren Zieheltern gewesen. Ein paar Mal kehren sie noch zu ihnen zurück, dann verlieren sie die Bindung. "Auch wenn der Abschied immer wieder tränenreich ist", sagt Kay Sobottka, "er muss sein".


Unverständlich ist den Eichhörnchenschützern, dass die zu den besonders geschützten Arten zählenden Tiere illegal gezüchtet und im Internet gehandelt werden, und sie gehen dagegen bundesweit mit Hilfe der Polizei, der Forstverwaltungen und Staatsanwaltschaften vor. Schließen wollen sie auch die Lücke, die es erlaubt, mit Eichhörnchen, die beispielsweise durch den Sturz aus dem Nest so "behindert" sind, dass die Freiheit ihren sicheren Tod bedeuten würde, Nachkommen zu züchten. "Eichhörnchen sind keine Haustiere, sie dauerhaft im Haus oder in einem Käfig zu halten, ist schlimmste Tierquälerei", sagt Kay Sobottka. "Sie haben einen unglaublichen Bewegungsdrang, den sie in Gefangenschaft nicht ausleben können und sie schier wahnsinnig werden lässt".