Themen der Seite "Leben in der Natur"
1. Verbreitung und Lebensraum
Das Eichhörnchen gehört zu den bekanntesten Nagetieren überhaupt. Sie bewohnen die gemäßigten bis tropischen Wälder Amerikas, desweiteren sind 3 Arten von Europa bis (Nord)Asien anzutreffen. Sie bewohnen hauptsächlich Nadelwälder, in Europa sind sie auch in Mischwäldern anzutreffen. In Deutschland hat sich das Eichhörnchen zum Kulturfolger entwickelt, ist also auch in den Städten anzutreffen. In Gärten und Parks finden sie zum Teil ausgezeichnete Lebensbedingungen.
Das Eichhörnchen ist auf ältere Baumbestände mit großer Samenproduktion angewiesen. Es kann in aufgeforsteten Monokulturen nicht genug Nahrung finden.
In den letzten Jahrzehnten nahm die Zahl der Hörnchen in den Wäldern ab, in Städten jedoch zu, da das Eichhörnchen dort ein vielfältiges Nahrungsangebot vorfindet.
2. Fortpflanzung
Das "Vorspiel"
Das "Prozedere" der Fortpflanzung ist ab Ende Januar zu beobachten. Es ist atemberaubend, was uns die geschickten Kletterer dabei an Kletterkünsten zeigen. Die Männchen dringen in die Reviere der Weibchen ein, um sich zu paaren. Dabei liefern sich die Anwärter mit den Weibchen eine wilde Verfolgungsjagd am Boden und in der Luft. Dabei "fliegen" sie so schnell durch die Äste, dass einem manchmal die Luft wegbleibt. Sind die Weibchen allerdings noch nicht bereit zur Paarung, kommt es gelegentlich zu Kämpfen.
Ist das Weibchen aber soweit, verliert sich das Davonlaufen in eine "Davonlaufsymbolik". Ist das Männchen ganz nahe, wedelt es ein paar Male mit dem Schwanz, den es anschließend auf den Rücken legt - ebenso legt das Weichen den Schwanz auf den Rücken und gibt dabei etwas Harn ab. Leider ist es aber für den ungeduldigen Eichkater so, dass dieses Spiel nicht gleichzeitig heißt, dass es nun "losgehen" kann, denn es kann Tage dauern, bis das Weibchen endlich zustimmt. Irgendwann kommt es aber auch bei den "schwierigsten Fällen" zur Begattung, bei der das Männchen die Lenden des weiblichen Tieres umklammert.
Kurzes Glück
Für kurze Zeit beziehen die beiden ein gemeinsames Nest, wobei allerdings nach der Geburt der Jungen das Männchen davongejagt wird. Die Tragezeit ist unterschiedlich - zwischen 28 bis 40 Tagen. Geschlechtsreif sind sie nach etwa 8 - 18 Monaten.
Nach der Geburt
Die Jungen werden von der Mutter einzeln genommen, begutachtet und gereinigt. Der Transport erfolgt im Maul, wobei das Muttertier das Junge in eine Hautfalte an der Flanke packt. Etwas ältere Junge rollen sich eng zusammen, wenn die Mutter sie greifen will.
Entwicklung der Jungen
Die Jungen sind Nesthocker und bei ihrer Geburt nackt und blind. Durch diese Tatsachen sind sie vollkommen von der Mutter abhängig. Vibrissen, das sind Tasthaare am Kopf (Schnurrhaare), an den Unterarmen und am Bauch, sind schon vorhanden. Sie wiegen etwa 8,5g. Die Körperlänge beträgt etwa 6cm, die Schwanzlänge bis zu 3cm. Die Gehörgänge sind vorerst geschlossen, Hände und Finger sind unverhältnismäßig groß und lang.
Am 6. Tag zeigen sich erste Haare am Kopf, am 8. Tag dann auch auf dem Rücken. Ab dem 10. Tag formt sich der gleichmäßig dicke Schwanz. Ab dem 13. Tag ist zarter Haarflaum sichtbar. Ab dem 20. Tag kann man schon die spätere Farbverteilung erkennen.
Mit 22 - 23 Tagen brechen dann die unteren Schneidezähne durch. Die Jungtiere öffnen ihre Augen mit 30 - 32 Tagen. Zuerst können sie allerdings nur schemenhaft sehen. Zwischen dem 37. und dem 41. Tag brechen die oberen Schneidezähne durch.
Die Säugedauer beträgt etwa 6 - 9 Wochen, so um die 12. Woche verlassen die Jungen das Nest. Allerdings kommt es auch nicht selten vor, dass die Mutter mit den selbständigen Jungen einige Zeit das Nest noch gemeinsam nutzt, bis sich die Jungen selbst mit einer Behausung ausgestattet haben. Manchmal leben die Tiere sogar monatelang noch "Tür an Tür".
(Weitere Informationen zu den Entwicklung der Jungen sind auf der Seite "Umgang mit Fidelkindern" zu finden)
3. Nester/Kobel
Die Nester der Eichhörnchen nennt man Kobel. Diese werden eng am Hauptstamm anliegend in Astgabeln oder abgehenden Ästen "eingebaut". Das Grundgerüst wird aus Zweigen erstellt, die in der Umgebung gesammelt oder vom Baum abgenagt werden. Innen werden diese mit Gras, Moos, Bast, Federn, Wolle und anderen weichen Materialien ausgekleidet.
Der Umfang beträgt in etwa 30 - 50cm, der Innendurchmesser liegt bei 15 - 20cm. Das Nest ist innen wasserdicht und durch die dicke Wandung kann sich das Hörnchen dort im Winter recht gut warm halten. Kobel besitzen mindestens zwei Schlupflöcher, wobei eines davon immer nach unten weist.
Haupt- und Nebennester
Der Nestbau dauert etwas 3 - 5 Tage, wobei immer mehrere Nester angelegt werden. Diese unterteilen sich in ein Hauptnest und mehrere Nebennester zum Schlafen, wobei letztere in der Ausstattung nicht so umfangreich sind. Es kommt auch recht häufig vor, dass die Tiere wegen Parasitenbefall umziehen müssen.
Männchen bauen anders
Eine interessante Angelegenheit ist das Nestbauverhalten vieler Männchen. Diese bauen fleißig mehrere Tage an ihrem Kobel herum und beenden kurz vor der Fertigstellung ihre Aktionen. Sie suchen sich einen neuen Platz und fangen erneut an. Dieses ineffiziente Eigenheimbauverhalten findet oft mehrere Male hintereinander statt.
Manchmal verwenden die Hörnchen verlassene Vogelnester als "Grundgerüst", oder bauen ihre Nester auch in von Menschenhand erschaffenen Objekten, wie z.B. Dachvorhänge etc.. Gern benutzen sie auch die verlassenen Höhlen von Spechten.
4. Ernährung
Menge
Die Eichhörnchen benötigen in den einzelnen Jahreszeiten verschiedene Mengen Nahrung täglich.
So werden in etwa täglich verspeist:
- im Frühling ca. 80g
- im Sommer ca. 60g
- im Winter ca. 35g
Vorratslagerung
Jeder hat im Herbst schon beobachtet, wie Eichhörnchen emsig um herlaufen, Nüsse, Samen etc. suchen, um diese anschließend sorgfältig zu vergraben bzw. zu verstecken - Es werden für den Winter Vorräte angelegt. Nicht immer werden diese vergraben, gern werden auch Astgabeln, Baumhöhlen oder Rinden zum Verstecken genutzt. Leider können sich die Hörnchen diese Verstecke nicht alle merken, so dass einige versteckte Fressalien im Frühling zur Weiterverbreitung der entsprechenden Pflanzenart führen. Die Hörnchen laufen systematisch alle ihre Verstecke ab und finden die vergrabenen "Schätze" mit Hilfe der Nase wieder. Dabei können sie eine Nuss und Zapfen z.B. auf 30cm Entfernung, sogar unter Schnee versteckt, riechen! Damit die Verstecke besser wieder"gerochen" werden können, werden Nüsse oft etwas "angeknackt". Die Vorratsbunkerung zeigt, wie problematisch für Eichhörnchen die Einflüsse der Witterung sind. Wenn es mal wärmer und sonniger als gewöhnlich, halten sie ausgiebigen Mittagsschlaf in ihrem Kobel und gehen dann bloß sehr früh am Morgen und abends umher, um sich zu versorgen. Noch unangenehmer für sie sind allerdings Regengüsse, Stürme, Gewitter und besonders Schneegestöber. Damit Eichhörnchen den Winter gut überstehen, ist es wichtig, dass sie ausreichend Nahrung im Herbst finden um die Vorratslager zu füllen. Ist das nicht der Fall und es folgt ein strenger Winter, sind die Vorräte schnell aufgebraucht und viele der Tiere verhungern.
Die Vorratsbunkerung geht übrigens immer nach dem gleichen Schema von statten: Loch scharren - Nuß einlegen - mit der Schnauze nachstoßen - zuscharren und Erde festdrücken.
Speiseplan
Die Nahrungsliste der Eichhörnchen ist lang, denn sie gehören zu den Allesfressern. Dabei variiert die Leibspeise der Eichhörnchen nach Jahreszeit:
- Knospen, Zweige, junge Triebe
- Bucheckern, Eicheln
- Haselnüsse, Walnüsse
- Roß- und Edelkastanien
- Gallen, Hainbuchsamen
- Beeren, Körner und Pilze, Obst
Sie fressen aber auch:
Insekten, Larven, Schnecken und sehr selten Vogeleier. Hauptnahrung sind Tannen-, Kiefern- und Fichtensamen, Knospen und junge Triebe. Zur absoluten Leibspeise gehören aber Nüsse und junge Triebe.
Nahrung im Winter
In der Winterzeit sind Fichtenknospen die Hauptnahrung. Eichhörnchen können übrigens auch für Menschen giftige Pilze fressen oder giftige Eibensamen köstigen. Der kurze Verdauungsapparat des Eichhörnchens ermöglicht die schnelle Ausscheidung der giftigen Inhaltsstoffe. Wasser benötigen Eichhörnchen im Sommer wie im Winter, es ist lebenswichtig!
"Zapfenknacktechnik"
Das Eichhörnchen beißt Zapfen am Stiel ab und macht sich über diese auf den Hinterbeinen sitzend her. Es reisst mit den Zähnen die Deckschuppen ab und die zum Vorschein tretenden Samen werden aufgeleckt und verzehrt.
Eichhörnchen beginnen direkt nach dem Aufwachen bei Sonnenaufgang mit dem Fressen, aber am meisten fressen sie gegen Ende ihrer Tagesaktivität. Pro Tag benötigen sie etwa 350 - 400kJ/Tag, das sind 84 - 96 kcal/Tag.
Nüsseknacken will gelernt sein. Junge Eichhörnchen nagen bei ersten Nusskontakten erstmal planlos an der Nuss herum, bis sie dann irgendwann mal an den leckeren Kern gelangen. Erfahrene Tiere gehen zielstrebiger vor. Sie nagen mit den unteren Zähnen tiefe Furchen in die Nussschale, in die dann ein Loch gemeißelt wird. Dort dringen die unteren Schneidezähne ein und sprengen die Nuss wie mit einem Brecheisen dank spreizbarer unterer Schneidzähne auseinander. Mit dieser Spreizbarkeit kann das Tier zusätzlich wie mit einer Pinzette kleine Nussstückchen aus der Nuss holen.
5. Eigenschaften und Verhaltensweisen
Kommunikation
Es gibt eine Reihe von Lauten und Bewegungen, die die Eichhörnchen zur Verständigung verwenden.
Aufregung
Dabei gibt das Tier ein schnalzendes, schnelles "Tjuck-tjuck-tjuck" von sich. Sie hacken mit den Vorderkrallen gut hörbar in den Ast, auf dem sie sitzen und zittern mit dem S-Förmig auf den Rücken aufgelegten Schwanz. Anschließend ist ein lang gezogenes, nasales "Nhhh" zu hören.
"Tuchfühlung" halten
Beim gemeinsamen Familienausflug in den Ästen hört man von allen Tieren ein leises "Wuck,wuck". Dieses ist fast vergleichbar wie ein ständiger "Funkkontakt" zu den anderen.
(Todes)Angst
Ein sehr lauter, panischer Schrei zeigt Todesangst. Dies kommt vor, wenn ein Tier in seinem Kobel durch "zu tiefen" Schlaf überrascht wird.
Aggression und Ärger
Flach nach hinten angelegte Ohren sind Zeichen von Aggression. Ein lautes "tschiep" begleitet dieses oft. Mehrere dieser Rufe schnell nacheinander weisen auf starke Erregung des Tieres hin. Sind Eichhörnchen verärgert, dann keckern und fauchen sie, so auch kurz vor einem Angriff. In die Enge getrieben oder gegen ihren Willen in die Hand genommen, lassen sie einen quälenden Laut hören, der auch bei spielerischen Rangeleien zu hören ist. Sehr junge Eichhörnchen geben bei Hunger oder Schmerz einen markanten hohen Ton von sich, der einzigartig ist.
Schweißdrüsen
Eichhörnchen haben an ihren Pfoten zwischen den Ballen und zwischen den Zehen Schweißdrüsen. Bei großer Hitze oder bei großer Aufregung hinterlassen sie nasse Spuren auf einer trockenen Oberfläche. Dadurch wird das Revier markiert.
Gefahr
Bei Gefahr ist die erste Instinkthandlung, bewegungslos stehen zu bleiben. Befindet es dabei auf dem Boden, so wird es schnellstens auf den nächsten Baum springen oder auf jedes andere höher gelegene Ziel. Ist es auf einem Baum und es ist in Gefahr, "schraubt" es sich in kreisenden Bewegungen am Stamm entlang in Richtung Krone.
plötzliche Ruhephasen
Eine interessante Eigenart der Jungtiere wie auch der erwachsenen Eichhörnchen sind die plötzlichen Ruhepausen mitten im Spiel oder der Bewegung.
Aufmerksamkeit
Ständige Aufmerksamkeit ist die Lebensversicherung aller Eichhörnchen. Bewegt es ich beispielsweise über eine größere, glatte Fläche am Boden, so wird es in Abständen auf den Hinterbeinen stehend, die Gegend auskundschaften.
6. Lebenserwartung und Feinde
Lebenserwartung
Nur ein Fünftel bis ein Viertel der Jungtiere wird älter als ein Jahr. Durch den Faktor Mensch und den immer mehr zunehmenden Autoverkehr werden die Eichhörnchen dezimiert, denn oftmals werden Straßen ein unüberwindbares Hindernis bei der Futtersuche oder auf der Flucht. Auch durch die Verarmung der Wälder aufgrund intensiver Forstwirtschaft werden sie bedroht.
Ferner sterben Eichhörnchen durch:
- Krankheiten
- Infektionen
- Verletzungen
- Missbildungen der Zähne
- Gift (Rattengift)
- Fallen
- Abschuss
- Nahrungsmangel im Winter/Wassermangel bei großer Trockenheit
- Fressfeinde
und nicht zuletzt werden Eichhörnchen überfahren, werden Bäume gefällt, sodass die Jungtiere abstürzen etc.
Überstehen sie all diese Gefahren, können sie in der freien Natur 6 bis 12 Jahre alt werden.
Feinde
Der Hauptfeind der Eichhörnchen ist der Baummarder. Ist er doch fast so geschickt im Klettern wie das Eichhörnchen. Durch das deutlich niedrigere Gewicht ist das Hörnchen allerdings im Vorteil. So kann es von einem Baummarder gejagt bis in die Krone eines Baumes fliehen und sich von dort auf den Boden fallen lassen - den Schweif als "Bremsfallschirm" nutzend. Da der Marder den Weg am Stamm zurücklegen muss, ist dass meist der entscheidende Vorteil für das Hörnchen.
Allerdings ist das größte Problem für die Hörnchen, dass der Baummarder ein nachtaktives Tier im Gegensatz zum Hörnchen ist und viele Eichhörnchen im Schlaf "überrascht". Weitere Feinde sind Haus- und Wildkatzen, Wiesel, Luchs, Krähen, Habicht und andere Greifvögel. Den Vögeln entkommen die Eichhörnchen gut, indem sie in kreisenden Bewegungen um einen Baumstamm herumlaufen.