Themen der Seite "Problem Grauhörnchen?"
1. Gestatten - Hörnchen, Grauhörnchen
Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) ist das nordamerikanische Gegenstück zum europäischen Eichhörnchen. Ähnlich wie unser Eichhörnchen hier, findet das Grauhörnchen in seiner angestammten Heimat viele Freunde, und das niedliche Tier ist ein gern
gesehener Mitbewohner.
Körpermerkmale
Die Felltönung kann zwischen einem hellen Silbergrau und einem sehr dunklen Schwarzgrau variieren. Eine rötliche Färbung kommt gelegentlich vor. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 30 Zentimetern und einer Schwanzlänge von 20-23 Zentimetern ist das Grauhörnchen etwas größer als der europäische Verwandte. Es wiegt 400 bis 710 Gramm - also etwa doppelt so viel wie das Eichhörnchen- und ist leicht daran zu erkennen, dass es keine Haarbüschel, die sogenannten Pinsel, an den Ohren aufweist.
Nahrung und Fortpflanzung
Seine Nahrung besteht aus Samen und Nüssen, sowie aus Vogeleiern, Jungvögeln und Insekten. Ein- bis zweimal im Jahr bringt das Weibchen jeweils bis zu 7 Junge zur Welt, von denen meistens nur 3-4 überleben.
Lebensraum
Eigentlich ist das Grauhörnchen östlich der Rocky Mountains daheim, wo es in vielen Landesteilen die Wälder besiedelt. Es ist aber auch in Parks und Hausgärten zu finden, und erobert sogar kleine Grünflächen im Stadtgebiet.
2. Neozonen - Neutier
Ende des 19. Jahrhunderts sind Grauhörnchen aus Amerika nach England gebracht worden und haben sich dort erfolgreich als Neozoen etabliert.
Als Neozoen (Einzahl: Neozoon Mehrzahl: Neozoa eingedeutscht Neozoen aus dem Griechischen mit der Bedeutung "Neutier") bezeichnet man Tierarten, die vom Menschen in andere Gebiete verbracht worden sind und sich dort fest etabliert haben. Drei Kriterien müssen erfüllt sein, um von einer Neozoe zu sprechen: (1) direkte oder indirekte Einführung durch Menschen; (2) nach 1492 und (3) sich selbst reproduzierende Populationen die ohne menschliche Hilfe auskommen. Der Handhabbarkeit halber werden hier 3 Generationen oder 25 Jahre als Hilfskriterium verwendet. Tierarten, die vor 1492 eingeführt wurden, werden gesondert betrachtet. Die Wissenschaft, die sich mit Neozoa beschäftigt, heißt Invasionsbiologie.
Als Daumenregel gilt die 'Zehnerregel'. Von 100 eingeschleppten Arten schaffen 10 Arten die Etablierung, von diesen besitzt 1 Art ein Gefährdungspotential.
In Kontinentaleuropa sieht man das Phänomen im übrigen meist wesentlich gelassener, einige Experten sehen in der Neuansiedlung von Neozoen sogar eine positive Bereicherung der Fauna.
3. Grauhörnchen auf den britischen Inseln
Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) war ursprünglich nur in Nordamerika beheimatet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es in England, Irland und Südafrika eingeführt. In Großbritannien gab es ein großen Konkurrenzkampf zwischen dem Grauhörnchen und den damals dort heimischen Eichhörnchen, denn Lebensraum und Lebensweise der Arten waren gleich. Allerdings setzte sich die überlegenere Art, das Grauhörnchen, durch und hat das Eichhörnchen im größten Teil Großbritanniens verdrängt.
Grauhörnchen verdrängen Eichhörnchen
Als das Grauhörnchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien eingebürgert wurde, um die britische Fauna aufzuwerten, erkannte man aber bald, dass man sich damit keinen guten Dienst erwiesen hatte. Das robuste Grauhörnchen verbreitete sich
nämlich so stark, dass es seine nahen Verwandten, die Eichhörnchen, vertrieb.
Forstschädling Grauhörnchen?
Zudem vermehrten sich die Grauhörnchen so unkontrolliert, dass ihnen auch bald schwere Forstschäden zugeschrieben wurden, da sie Stromleitungen zernagen und Geflügelstallungen plündern sollen.
Niedermachen von Grauhörnchen
Die dadurch entstandenen Schäden waren so hoch, dass man in vielen Gebieten Englands zu drastischen Gegenmaßnahmen griff: Mit Fallen und Abschüssen versuchte man die Zahl der Nager zu verringern. Meist werden die Tiere in Lebendfallen gefangen um dann grausam erschlagen zu werden, oder und man legt Giftköder gegen sie. Es wurden sogar Belohnungen für erlegte Grauhörnchen ausgesetzt, was nur zu einem noch gesteigerten, schrecklichen und unverantwortlichen Gemetzel- aber nicht zum Erfolg führte. Die Grauhörnchen vermehrten sich extrem weiter und bald war das rote Eichhörnchen fast völlig aus dem Tierbestand in Südengland verschwunden.
4. Grauhörnchen auf dem europäischem Festland
Vorab sei es ganz unmissverständlich gesagt: "In Deutschland gibt es keine Grauhörnchen!".
Immer wieder bekommen wir Meldungen, dass Grauhörnchen gesichtet worden sind. Nein, es sind keine Grauhörnchen, sondern europäische Eichhörnchen mit grauer Fellfärbung (siehe auch Körperbau und Sinne).
1948 fand ein italienischer Privatier während einer Englandreise Gefallen an den Grauhörnchen und setzte ein Päärchen im Park seiner Villa, südlich von Turin, aus. Eine fatale Idee, wie sich bald herausstellen sollte, denn damit war das Grauhörnchen nach Italien gelangt und verbreitete sich dort ebenso stark wie in England.
Umstritten ist, dass das Grauhörnchen von Italien bereits in die Schweiz gelangt ist, vermutet wird sogar, dass es auf dem Weg in/über die Alpen ist.
5. Wie mit dieser Situation umgehen?
Die Lösung des Problems - Verhütungsdrogen
Die Situation ist unbestreitbar schwierig. Auf der einen Seite ist es nicht besonders angenehm, der Vertreibung unserer roten Hörnchen zusehen zu müssen - auf der anderen Seite ist es auch vollkommen inakzeptabel, Grauhörnchen nachzustellen und sie in mittelalterlicher Manier zu töten. Das gilt auch dann, wenn diese Tiere tatsächlich den Forst schädigen sollten.
Die Lösung des Problems - Verhütungsmittel
Hingegen können wir uns sehr gut mit einem Weg der Populationsminimierung über den Weg der "Verhütung" anfreunden. Die Briten haben ein Hörnchenprogramm beschlossen, bei dem versucht werden soll, die Vermehrung der amerikanischen Hörnchen durch Ausstreuung spezieller Verhütungsdrogen zu verlangsamen und einzudämmen.
Allerdings - wie sollte es auch anders sein - gibt es auch hier wieder einmal Stimmen, die von zu hohen Kosten sprechen und lieber die billige, wenn auch moralisch und ethisch verwerfliche Mord-Variante bevorzugen.
Versteckte Kamera für Grauhörnchen
Die University of South Carolina hat eine versteckte Kamera installiert und die Aufnahmen ins Netz gestellt. Dort kann man ein "Graues" aus allernächster Nähe bewundern. Eine nette Idee.
